Projekt Chevyumbau

Fasziniert von grossen Maschinen und Motoren war ich schon von Kindsbeinen an. Auch amerikanische Autos, Geländefahrzeuge und grosshubraumige V8 Motoren sind ganz nach meinem Geschmack. Wenn sich das alles verbinden lässt, um so besser.

Im Jahr 2007 lernte ich die Chevis der Kantonspolizei Zürich im Kurs "Ordnungsdienst" kennen. Die Kantonspolizei Zürich hatte lange Jahre Chevrolet Vans als Mannschafts- und Materialtransportfahrzeuge angeschafft, da auf dem Markt kaum vergleichbare Fahrzeuge in dieser Grösse mit Allradantrieb erhältlich waren. Heute sieht das ganz anders aus, da auch die europäischen Fahrzeughersteller entsprechende Fahrzeuge anbieten. 

Die letzten drei Chevrolet Vans wurden 2008 aus der Flotte der Kapo liquidiert und ich  hatte die Gelegenheit einen davon zu kaufen. Mein Chevy hatte im Oktober 2008 erst 23000km auf dem Tacho, obwohl er bereits 17 Jahre alt war. Dementsprechen gut  ist auch sein technischer Zustand.

Tja nun hatte ich diesen Cheyi Zuhause stehen. Meine Idee war natürlich von Anfang an, ihn als Wohnmobil auszubauen. In welcher Art und welchem Umfang war aber völig offen. Als erstes entfernte ich den gesamten Polizeiinnenausbau. Bei der Überlegung wie der Ausbau aussehen soll, tauchte bald die Frage auf, ob der Dachträger einem Dachzelt weichen soll. Anderseits wäre ein Hochdach auch eine sehr gute Variante, vor allem für Winterausflüge oder bei Reisen in den Norden wo es doch oft empfindlich kalt wird und oft regnet.

Ich entschied die Variante Hochdach genauer zu prüfen. Erstens ist es aber nicht möglich ein Hochdach ab "Stange" für einen Chevy in der Schweiz zu erhalten und zweitens muss der Umbau vom Strassenverkehrsamt geprüft werden. Dies ist aber nur möglich mit einer Herstellergarantie. Diese für ein 18 jähriges Fahrzeug zu erhalten von einem serbelnden Automobilkonzern, kaum vorstellbar.

Tja wie es der Zufall wollte, lernte ich an der Campingmesse 2008 in Bern einen Unternehmer aus dem Emmental kennen, der dort einen Verkaufsstand betrieb. Im Gespräch erzählte ich ihm, was ich mit unserem Chevy vor hatte und dass ich auf der Suche nach einem Hochdach sei. Er sagte, dass er eine Autospenglerei kenne, der sich mit Amerikanern auskenne und so wurden die Angaben ausgetauscht.

Kurze Zeit später kam die Meldung, dass der besagte Autospengler ein Hochdach habe, welches auf unseren Chevy passen könnte. So unternahm ich die erste Reise nach Bern für eine Anprobe und siehe da, das Ding passte.

Nun galt es noch das Strassenverkehrsamt zu überzeugen. Rene Fischer, der Inhaber der Fischer Farelec, sprach zusammen mit Chevy beim Strassenverkehrsamt in Bern vor und stellte unser Projekt vor. Dort kam man uns soweit entgegen, dass der Umbau bewilligt würde, wenn wir eine Bestätigung vorlegen könnten auf welcher ersichtlich wäre, dass das Chassis von Chevy ein selbsttragendes Leiternchassis ist. Somit könnte ausgeschlossen werden, dass das  Dachblech, welches beim Umbau entfernt werden muss, ein tragendes Teil des Fahrzeuges ist und somit die Stabilität erhalten bleibt.

Tja diese Auflage des Strassenverkehrsamtes war zwar ein erster Erfolg aber es dauerte ganze drei Monate, unzählige Telefonate, E-Mails bis nach Holland und das Miterleben eines Firmenkonkurses, bis wir schlussendlich vom Importeur von Chevrolet Rettungswagen eine schriftliche Bestätigung erhielten, dass der Einbau eines Hochdachs an unserem Chevy problemlos möglich sei. 

Daraufhin wurde natürlich keine Zeit mehr verloren, die Stichsäge wurde gezückt und Chevy "cabriolettisiert".

Anschliessend wurde das neue Dach mit dem Hubstapler aufgesetzt. Nun musste die tragende Stahlkonstruktion, bestehend aus vierkant Stahlprofilen an das Hochdach angepasst werden. Die fünf tragenden Dachstreben wurden in aufwändiger Einzelanfertigung an das Fahrzeug und das Dach angepasst und mit der Schweissanlage provisorisch zusammengeheftet.

Anschliessend wurde das Dach wieder abgehoben, damit die gesamte Konstruktion stabil verschweisst werden konnte. Das Hochdach wurde ins Spritzwerk A6 Autocenter in Muri BE gegeben um es auf Vordermann zu bringen und im gewünschten Farbton zu lackieren.  

Bei der Konstruktion des Tragrahmens galt es bereits darauf zu achten, dass Platz für die zukünftigen Dachluken freigelassen wurde. Auch an die Tragschienen für die Liegefläche im Dachraum musste gedacht werden sowie an stabile Befestigungsmöglichkeiten für den geplanten Sonnenstoren.

Nachdem ich alle Schweissarbeiten beendet hatte, musste die gesamte Konstruktion  noch grundiert und lackiert werden,worauf dann Karin zum Einsatz kam.

Nachdem alles vorbereitet war kam der grosse Tag. Das frisch lackierte Hochdach wurde in der Werkstätte der Fischer Farelec mittels 4.5 Kg Carosseriekleber auf das Traggestell aufgeleimt. Die Verbindung zum Chevy wurden ebenfalls mit Carrosseriekleber abgedichtet. Alle bisher anfallenden Arbeiten durfte ich in der Werkstätte der Fischer Farelec ausführen, konnte dabei das gesamte Werkzeug und die Schweissanlage benützen und dabei auf die Unterstützung und fachliche Beratung von Rene Fischer zählen. An dieser Stelle ein ganz grosses Dankeschön an Rene Fischer der mit seiner Erfahrung und seinem Fachwissen das Projekt Chevy erst ermöglicht hat und zu einem grossen Teil zum guten Gelingen des Endproduktes beitrug. 

Nachdem Chevy wieder wasserdicht war, wurde die Etappe Sitzbank in Angriff genommen. Da der Umbau ja mit grösseren Investitionen verbunden ist und ich nicht vor habe das Fahrzeug in den nächsten Jahren wieder zu verkaufen, wollte ich das Wohnmobil unbedingt als Vierplätzer prüfen lassen. Da dazu aber eine geprüfte Sitzbank mit Dreipunktgurten von der Zulassungsbehörde vorgeschrieben sind, musste eine entsprechend geprüfte Sitzbank eingebaut werden. Die Befestigungen am Fahrzeug wurden durch einen Ingenieur des Dynamic Test Centers in Vauffelin berechnet. Nachdem die stark überdimensionierte Konstruktion durch mich angefertigt worden war, konnte die Sitzbank samt Verankerung im erwähnten Testcenter durch einen Experten abgenommen werden. Somit ist auch gewährleistet, dass Chevy auch noch zum Einsatz kommen kann, wenn Karin und Mäse Eltern werden und nicht mehr nur zu zweit durch die Welt reisen.

Auch die elektrische Installation im Chevy wurde angepasst. So mussten alte Kabel, welche von der polizeispezifischen Installation noch vorhanden waren, entfernt werden und zusätzliche, neue Kabelstränge eingezogen werden. Dazu musste das gesamte Armaturenbrett ausgebaut werden. Während den Schweissarbeiten hatten die Kabelstränge in der Nähe der Schweissstellen entfernt werden müssen, da sie sonst verbrannt wären. Nun galt es diese wieder korrekt anzuschliessen und so zu organisieren und zu beschriften, dass auch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollzogen werden kann, welches Kabel welche Funktion hat. Dabei konnte mich Rene Fischer als Elektriker sehr gut unterstützen.

Zum fehlenden Innenausbau gesellte sich noch ein weiteres Problem, nämlich die immer noch vorhandene Polizeilackierung. Beim Kauf des Fahrzeuges wurde mir die Auflage gemacht, das Fahrzeug zu "neutralisieren". Da geplant war Chevy in Sandbeige zu lackieren, wurde das Hochdach bereits so aufgebaut. Der Rest des Fahrzeuges sollte aber erst komplett gespritzt werden, wenn alle noch geplanten Ausschnitte am Blech für Steckdosen, Wasser und Gasanschlüsse ect. gemacht sind. Um trotzdem auf öffentlichen Strassen fahren zu dürfen, wurden in einer Samstagmorgenaktion durch Karin die roten Polizeistreifen zu einem Strand mit Sonnenuntergang modifiziert. Das Resultat liess sich durchaus sehen und ich staunte über Karins Fähigkeiten im Umgang mit der Spraydose.

Die gesamten Arbeiten standen auch unter einem gewissen Zeitdruck, da geplant war, dass wir im August 2009 für drei Wochen nach Korsika in die Ferien fahren wollten, natürlich mit Chevy. Das Ticket für die Fähre ab Genua hatten wir bereits im Februar gekauft. Nachdem das Dach und die Liegefläche sowie die Sitzbank eingebaut war, fehlte "nur" noch der Innenausbau mit Küche ect.. Da klar war, dass dies noch viel Zeit in Anspruch nehmen würde, baute ich provisorisch den Gaskocher, das Spühlbecken sowie den Kühlschrank ein und René schloss die Gasversorgung an. Das restliche Material konnten wir in Rakobehältern unterbringen.

Wie erwähnt war alles noch etwas provisorisch im Chevy, funktionierte aber einwandfrei. Die Generalprobe in Korsika hatte den Vorteil, dass wir die gemachten Erfahrungen in den anschliessenden, definitiven Ausbau einfliessen lassen konnten, wodurch bereits einige Schwachstellen ausgemerzt werden konnten. Die Ferien in Korsika waren absolut Spitzenklasse und wir fanden so manchen idyllischen Ort, wo wir "wild" campieren konnten und die Vorzüge unseres geländetauglichen Wohnmobils zum tragen kamen.

Wieder zurück in der Schweiz wurde die gesamte provisorische Innenausstattung wieder entfernt. Als erstes verlegte ich eine Rolle Kunststofboden mit Parkettlock über der Bodenplatte. Anschliessend begann ich damit die Möbel einzupassen. Die Küchenablage, wo der Kocher und das Spülbecken ihren Platz finden, entstand aus einer stabilen Spanplatte. Alle restlichen Möbel bestehen aus kreuzverleimtem Okume-Sperrholz von 15 und 10mm Stärke. Das Bauen der Möbel war sehr aufwändig, da am Chevy kaum ewas rechtwinklig ist. Sehr viele Teile mussten den Rundungen der Carrosserie  angepasst werden. Die noch grössere Herausforderung bestand aber darin, wie der Innenraum gestaltet werden sollte. Wo kommt der Külschrank, wo der Tresor und die Gasflasche hin? Im Kopf hatte ich unzählige Varianten entworfen, die Eine mit diesem, die Andere mit jenem Vorteil. Die gemachten Erfahrungen aus unseren Ferien in Korsika konnte ich dabei sinnvoll einfliessen lassen. So wie der Innenraum heute da steht, kann ich sagen, dass ich meines Erachtens das Optimum aus den Platzverhältnissen herausgeholt habe.

Den ganzen Innenausbau tätigte ich in Etappen, zuerst entstand die Küche im Fahrzeugheck. Darunter fanden ein 80 Liter Frischwassertank und der Abwasserkanister ihren Platz. Für die beiden Gasflaschen musste ich einen gegen den Innenraum abgedichteten Gaskasten mit Belüftung nach aussen konstruieren. Zusätzlich musste im Fahrzeugheck noch Platz für zwei Campingstühle und einen Tisch freigelassen werden. 

Eine zusätzliche Hürde beim Ausbau von Chevy war, dass der gesamte Ausbau immer möglichst leicht sein sollte. Da Chevy insgesamt höchstens 3,5 Tonnen schwer sein darf und aufgrund seiner massiven Bauart bereits einiges an Kilos mitbringt, wurde zu Beginn des Projekts durch René Fischer eine Gewichtsberechnung angestellt, in welcher alle wesentlichen Komponenten einberechnet wurden. Eine gewisse Unsicherheit blieb und ich war froh, als ich auf dem Waagschein sah, dass Chevy, so wie er beim Strassenverkehrsamt abgenommen wurde, rund 3 Tonnen schwer ist. Demzufolge bleiben uns noch rund 500 kg Nutzlast für Ausrüstung, Wasservorrat, Gepäck und Passagiere.

Nachdem ich die Möbelteile nach meiner Zufriedenheit eingepasst hatte, wurde alles wieder komplett ausgebaut und mit Schiffslack tranparent lackiert, damit alles gegen Schmutz und Wasser geschützt ist.

Die Verkleidung des Hochdachs war keine leichte Aufgabe. Da wie gesagt, kaum eine Kante daran gerade oder im 90-Grad-Winkel verläuft, ist jedes Teil eine Einzel- und Massanfertigung. Auf das Polyester Hochdach klebte ich als erstes ein Gerippe aus Holzlatten, auf welche dann die Innenverkleidung geschraubt wurde. Die Zwischenräume wurden mit 20mm Isolationsmatten ausgekleidet.

Nachdem der Innenraum sozusagen fertig war, galt es noch die definitive Lackierung vorzunehmen. Wir hatten das Glück, mit Rolf Trachsel einen sehr kompetenten Partner für diese Sache an unserer Seite zu wissen. Rolf hatte uns bereits das Hochdach vermittelt, instandgesetzt und lackiert. Nun wurde gemeinsam mit ihm und dem Gestalter Mark Fels aus Ostermundingen verschiedene Varianten geprüft. Mark konnte mittels Computeranimation verschiedene Logos auf eine Foto von Chevy projezieren, worauf wir uns dann für das Giraffenlogo entschieden.

Vor der Lackierung musste die gesamte alte Farbe, insbesondere das "Polizeirot" abgeschliffen werden. Die Scheiben und alle möglichen Anbauteile wurden entfernt. Mit diesen Arbeiten war ich fast drei Tage lang in der Grossraumspritzkabine des A6 Autocenter Muri beschäftigt. Anschliessend übernahm Rolf Trachsel mit seinem Team und brachte die Grundlackierung an. Mark Fels gestaltete das Giraffenlogo freihändig, ohne Schablone. Anschliessend wurd noch eine Schicht Klarlack aufgebracht. Das Resultat ist absolut gelungen, was man auch an den Reaktionen der Leute auf der Strasse entnehmen kann.

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei Rolf Trachsel und seinem Team bedanken für die tolle Arbeit und dafür, dass ich die gesamte Infrastruktur für die Schleif- und Vorbereitungsarbeiten benützen durfte. Ein grosses Kompliment auch an Mark Fels für sein gestalterisches Können und die gelungene Giraffen-Lackierung.

Tja zu guter Letzt bleibt mir nur noch, euch Chevy in seinem neuen Kleid vorzustellen. Am 29.06.2010 wurde er durch René Fischer beim Strassenverkehrsamt Bern vorgeführt und ohne Beanstandungen abgenommen. An dieser Stelle ein riesengrosses Kompliment an René für seine  professionelle, weitsichtige Planung und Koordination des gesamten Projekts welche sich im Endresultat widerspiegelt.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Umbau sozusagen abgeschlossen. Natürlich bleiben immer noch kleine Arbeiten und Verbesserungen zu erledigen aber auf das Gesamte gesehen ist das nur noch Kosmetik.

 Hier noch ein paar Bilder vom Innenraum.

7. September 2012

Gleich zwei neue Blogbeiträge über unsere letzten Abenteuer und unsere Heimkehr sind online sowie die Fotos dazu.

 

4. September 2012

Übernachtungsplätze ab Kasachstan bis nach Deutschland sind online. 

 

4. September 2012

Unsere visuelle Route ist vollendet und zeigt die letzten Stationen auf unserer 14-monatigen Reise.