Letzte Abenteuer

Nach dem letzten Grenzübergang nach Usbekistan sind wir gebrannte Kinder. Doch wir sagen uns, dass die Grenze Uzbekistan – Kasachstan keine Schmuggelroute ist und wir keine Unannehmlichkeiten erwarten müssen. Aber leider ist das völlig falsch gedacht.

Grenzerfahrung

Landschaft in Kasachstan
Landschaft in Kasachstan

Lange warten wir an der Grenze zu Kasachstan und beobachten, wie junge Zöllner um LKW streichen, einmal an die Plane klopfen und die LKWs dann passieren dürfen. Als wir endlich an der Reihe sind, bedeuten uns die jungen Zöllner zu warten, der Chef wolle uns persönlich untersuchen. Das tönt verheissungsvoll…. Den Motor von Chevy lassen wir laufen. Chevy leidet nach wie vor unter einer schwachen Batterie und wir befürchten, den Motor nicht mehr starten zu können, wenn wir ihn abstellen. Doch als nach einer Stunde nach wie vor kein Chef in Sicht ist, stellen wir den Motor doch ab und stellen uns auf eine längere Wartezeit ein.

 

Wir sind uns lange Wartezeiten gewohnt und unterhalten uns mit den jungen Zöllnern. Wie in den übrigen Stan-Ländern haben wir auch in diesem Land die Wahl zwischen der Landessprache – in diesem Fall kasachisch – oder Russisch. Beides können wir nicht und so verläuft unsere Kommunikation ohne viel Worte und mit Bilder anschauen im kasachischen Reiseführer.

 

Fast wird es gemütlich mit den beiden jungen Zöllnern als der Chef sich doch noch die Ehre gibt. Er stapft heran und aufgrund seiner Leibesfülle hege ich die vage Hoffnung, dass er es bei einem Blick in Chevy belässt und uns ziehen lässt. Doch die Hoffnung löst sich in Luft auf. Schnaufend hievt er seine Körperfülle ins Wageninnere und startet seine Suche – nach was eigentlich? Er nimmt es sehr genau, untersucht alle unsere Reiseführer und Strassenkarten, hat meine Krankenakte von Indien in den Fingern und eine Foto CD. Fast wünsche ich mir, dass er diese Akte und die Foto CD mit in sein Büro nimmt und sich mit diesem brisanten Material vor seinen Kollegen lächerlich macht. Doch im Grunde bete ich einmal mehr mein Mantra vor mich hin. Treue Blogleser kennen es bereits: „Ich bin gaaaanz ruhig, ich bin gaaaanz relaxed……“ Auch dieser Zöllner findet unser Souvenirfach und entdeckt einen Kerzenhalter. Nach einem fragenden Blick zu Mäse nimmt Mäse eine Rechaukerze aus dem Kühlschrank und stellt sie in die Kerze. Er solle sie anzünden, wünscht der Zöllner. Zuerst glaube ich an einen Witz, doch kein Muskel zuckt in seinem Gesicht. Also ergibt sich Mäse mit einem unhörbaren Seufzer in sein Schicksal und zündet die Kerze an. Andächtig stehen die beiden Männer dann in Chevy vor der brennenden Kerze. Wäre ich weniger beschäftigt mit meinem Mantra, müsste ich jetzt laut lachen. Insgeheim fragen wir uns, was mit diesem Zöllner falsch ist. Offensichtlich hat er die Drogensuche bei uns eingestellt und gwünderlet in unserem Haushalt herum. Wir trösten uns mit dem Gedanken, dass wir nur noch zwei Grenzübergänge vor uns haben, bevor wir im Schengenraum sind. Nach 2 Stunden ist die Neugier dieses Zöllners befriedigt und ohne ein Wort des Abschieds entfernt er sich.

Über die Brücke nach Europa

Europa in Sicht
Europa in Sicht

Wir sind nun wieder in Kasachstan. Ab dem 4. August können wir in Russland einreisen, da unser Transitvisum erst ab diesem Datum gültig ist. Wir haben nun vier Tage Zeit um bis an die russische Grenze zu gelangen. Die Landschaft ist unverändert langweilig wie in Usbekistan. Wüste und Kamele.

 

In Atyrau fliesst der Ural. Dieser Fluss markiert die Grenze zwischen Asien und Europa. Ein kurzer Spaziergang über eine Brücke bringt uns nach mehr als einem Jahr zurück auf unseren Kontinenten. Lustigerweise ist die europäische Seite viel fortschrittlicher mit grossen Plätzen mit schönen Springbrunnen und modernen Gebäuden. Dieses Stadtbild ist jedoch eher den Amerikanern als den Europäern zu verdanken, die sich in Atyrau niedergelassen haben um vom Ölvorkommen zu profitieren.

 

Zur Feier des Tages stellen wir uns direkt ans Flussufer und geniessen den Ausblick auf Europa. Bald stehen Kinder um uns herum, die kichernd ihre Neugier befriedigen. Ein Fahrradfahrer taucht auf und warnt uns, dass dieser Platz von der Mafia genutzt werde. Wir sollen besser zu ihm nach Hause kommen. Wir lehnen dankend ab und bleiben, wo wir sind. Solche Warnungen mag ich gar nicht. Ein eben noch perfekter Platz dünkt mich auf einmal unsicher und gefährlich. Abgesehen von einigen Jungen, die grölend Bier trinken und Musik dazu hören, geniessen wir aber eine angenehme Nacht ohne gefährliche Zwischenfälle.

Bei der Fremdenpolizei

Pflichtbewusst nehmen wir erneut die Registration beim OVIR in Angriff, das heisst das Melden bei der Fremdenpolizei. Obwohl wir die Adresse haben, müssen wir dreimal nachfragen, bevor wir das anonyme Büro in einem Innenhof entdecken. Der Beamte übergibt uns ein Formular auf Kyrillisch zum Ausfüllen und bestimmt gleichzeitig jemanden aus der Warteschlange, der uns beim Ausfüllen helfen soll. Zusätzlich empfiehlt er uns, vor dem nächsten Besuch in Kasachstan Russisch zu lernen.Mit dem ausgefüllten Formular können wir nun endlich unsere Pässe abgeben und sie am Abend wieder abholen. Zum Glück sind die zivilen Personen in den besuchten Ländern jeweils so hilfsbereit, andernfalls wäre die gesamte Bürokratie um vieles schwieriger und noch komplizierter.

1. August in Kasachstan

Eidgenossen feiern
Eidgenossen feiern

An einem Fluss richten wir uns für die nächsten drei Tage häuslich ein. Hier feiern wir den 1. August. Und da wir echte Schweizer sind, darf ein Fahnenmast mit Schweizerfahne nicht fehlen. In Ermangelung eines echten Mastens funktionieren wir kurzerhand die Kurbel des Sonnenstorens um und fixieren sie mit Wäscheleinen, so dass sie stehenbleibt. Ein wunderbarer Fahnenmasten. Und als sogar Kühe erscheinen, wähnen wir uns fast zuhause.

 

Offensichtlich haben wir zuviel Kerzen und Vulkane angezündet. Am nächsten Morgen werden wir von zwei Polizisten geweckt, denen unser nächtliches Feuerspektakel wohl verdächtig vorgekommen ist. Das Wort Tourist wirkt auch diesmal Wunder und zusammen mit unseren Pässen und der Registration bei der Fremdenpolizei gelten wir als harmlos. Wir wollen heute jedoch abfahren und uns so nahe vor die russische Grenze stellen wir möglich. Für einmal sind wir froh um schlechte Strassen, so vergeht mehr Zeit beim Fahren. Gerade als ich zu Mäse sage, jetzt müssten wir bald an der Grenze sein, taucht sie vor uns auf. Weiter kommen wir heute nicht. Eine Nacht gilt es herumzuschlagen bevor wir endlich wieder ein Ziel haben.

Einreise Russland

Mutter-Heimat Statue in Volgograd
Mutter-Heimat Statue in Volgograd

Endlich geht unsere Reise weiter. Die Einreise nach Russland ist nach den beiden letzten mühsamen Grenzübergängen eine wahre Wohltat und bald sind wir unterwegs nach Volgograd. Unterwegs merken wir, dass Chevy immer mehr Kühlwasser verliert. Bis jetzt haben wir einfach Wasser nachgeleert, doch das Loch im Kühler scheint grösser zu werden. Wir beraten kurz was wir machen sollen und entscheiden uns für Leimen und Weiterfahren. Es ist Wochenende, die Garagen sind geschlossen und mit unserem Transitvisum haben wir keine Zeit, um Chevy am Montag in eine Garage zu bringen. Im Zentrum von Volograd stellen wir uns auf einen Parkplatz für die Nacht. Am nächsten Morgen bin ich um 7 Uhr nassgeschwitzt und bereit um de Stadt zu entdecken. Zum Glück hält es Mäse nicht viel länger aus und so sind wir früh unterwegs, die Mutter-Heimat Statue Russland zu entdecken. Sie steht auf dem Mamajew-Hügel. Dieser Hügel war ein strategisch bedeutender und hart umkämpfter Ort der Schlacht von Stalingrad (dem heutigen Volograd). Heute befindet sich auf diesem Hügel ein Pantheon mit 7200 Namen von gefallenen Soldaten in Vertretung für die eine Million umgekommener russischer Soldaten während der viermonatigen Schlacht bei Stalingrad. Die Statue der Mutter Russland hat eine Höhe von 85m (ohne Sockel) und ist damit eine der grössten Statue der Welt.

Bekanntes Gebiet

Überbleibsel von der EM
Überbleibsel von der EM

Bald verlassen wir Russland. Es zieht uns immer stärker nach Hause. In den europäischen Städten in der Ukraine, Polen und der Tschechei unterbrechen wir unsere Fahrt für jeweils einen Tag und schlendern durch die Städte. Uns fällt auf, wie gross der Unterschied zwischen der Ukraine und Polen ist, das heisst zwischen Europa und der europäischen Union. Obwohl wir in keiner dieser Städte vorher waren, kommen wir uns wie zuhause vor. Bekannte Architektur, vertraute Gesichtszüge, Strassencafes und Kirchen statt Moscheen und Tempel. In Prag treffen wir uns mit Zuzka, eine Overlanderin, mit der wir durch China gefahren sind. Sie ist vor drei Wochen zuhause in Prag eingetroffen und sich noch am Einleben. Wir fragen uns, wie es uns wohl ergehen wird in der gewohnten Umgebung in der Schweiz?

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Kommentare: 2
  • #1

    Anita (Freitag, 07 September 2012 10:58)

    Also ich finds uuu schön sinder wieder da... und vorallem xund wie i gseh han :)
    schaad gits kei bloggs meh, was lis ich denn jetzt?!? holymoly....
    Guets iilebe und bis bald... :)

  • #2

    Anjes Mami (Freitag, 07 September 2012 18:04)

    Sali zäme,
    danke für die neuen Fotos und vergangenen Abenteuer. Ich bin sicher, der Alltag hier ist auch voll Abenteuer, nur anderer Art. Vorallem seid ihr mir lieb und teuer mit und ohne Abenteuer und Blog! Es war schön, einwenig mitzureisen ohne die Strapazen,aber stets mit guten Wünschen für eure Unternehmungen.Viel Gutes soll euch weiter begleiten auf den kommenden Wegen. Herzlich s Mami Anjes

7. September 2012

Gleich zwei neue Blogbeiträge über unsere letzten Abenteuer und unsere Heimkehr sind online sowie die Fotos dazu.

 

4. September 2012

Übernachtungsplätze ab Kasachstan bis nach Deutschland sind online. 

 

4. September 2012

Unsere visuelle Route ist vollendet und zeigt die letzten Stationen auf unserer 14-monatigen Reise.