Kamele und Eisberge

Chevy ist schief unterwegs
Chevy ist schief unterwegs

Gespannt reisen wir in die Mongolei ein. Was wird uns in diesem Land erwarten? Bei Erwähnung der Mongolei steigen vor meinem inneren Auge unendliche Steppen, Pferde, Nomaden und Yurten auf. Doch meistens stellen sich meine Vorstellungen in der Realität als falsch heraus.

Fahrt durch die Wüste

Durchquerung der Gobi
Durchquerung der Gobi

Von einem chinesischen Reiseleiter haben wir die Info erhalten, dass die 700km lange Strecke von der chinesischen Grenze bis nach Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei asphaltiert sei. Demnach stellen wir uns auf eine einfache Fahrt ein und rechnen damit, in einigen Stunden in Ulaanbaatar einzutreffen. Doch bereits nach der Abfahrt aus der Grenzstadt stehen wir vor der ersten Herausforderung. Weit und breit ist keine Strasse zu sehen sondern nur Sandpisten, die in die Wüste Gobi führen. Nach Konsultation von unserer Strassenkarte entscheiden wir uns für die Piste, die der Eisenbahnlinie entlang führt und fahren darauf los. Schnell sind wir weg von jeder Zivilisation mitten in der Wüste. Zum Glück haben wir genug Wasser und Lebensmittel dabei, so dass uns diese Isolation gefällt. Ich bin überwältigt von der Weite und dem vielen Nichts um uns herum. Wenn wir anhalten ist es so still, dass ich mein Blut in den Ohren rauschen höre. Manchmal treffen wir auf eine Herde Kamele oder einige Pferde, doch meistens sind wir alleine. Nur alle paar Stunden kommt uns ein Fahrzeug entgegen. In der ersten Aimaghauptstadt (Provinzen heissen hier Aimags) kehren wir in einem Restaurant ein und geniessen unser erstes Gulasch. Nach zwei Wochen Reis und Nudeln in China wissen wir ein Stück Fleisch richtig zu schätzen. Hier isst man wieder mit Messer und Gabel. So haben wir anständige Portion im Maul und nicht nur einen Happen vom Stäbchen.

Russische Bürokratie

Sükhbaatar  Square Parlament (Ulaanbaatar)
Sükhbaatar Square Parlament (Ulaanbaatar)

Nach drei Tagen holpern treffen wir in Ulaabaatar ein und richten uns im Guesthouse Oasis ein, das als Travellertreffpunkt dient. Indem wir in die Mongolei eingereist sind, haben wir uns in eine Sackgasse manövriert. Im Norden ist Russland, im Süden China und wir wollen irgendwie da durch. Da die Russen uns schon in Bangkok gesagt haben, dass sie Touristenvisa nur im Heimatland ausstellen, bleibt uns nur die Möglichkeit, ein russisches Transitvisum zu beantragen. Die Russen scheinen sich ihrer Situation sehr bewusst zu sein. Sie haben uns einige Male auflaufen lassen, doch wir sind jeden Tag von neuem auf der Botschaft gestanden bis wir nach 5 Arbeitstagen soweit sind, dass es ums Bezahlen des Visums geht. USD 116.- für eine Woche Bearbeitungszeit oder USD 200.- für Expressausstellung am nächsten Tag. Wir beissen wohl oder übel in den sauren Apfel und halten am nächsten Tag unser Transitvisum in den Händen. Fünf Tage haben wir Zeit, um 1100km durch Russland nach Kasachstan zu fahren.

Kalter Hochzeitstag in Ulaanbaatar

Mäse mit seinem Hochzeitsmenu
Mäse mit seinem Hochzeitsmenu

Endlich können wir Ulaanbaatar verlassen. Diese Hauptstadt zählt für mich nicht zu den Highlights der Hauptstädte. Die Hälfte aller 2.7 Mio. Mongolen lebt hier. Es wirkt alles ein wenig schmuddelig und heruntergekommen. Auffällig viele Betrunkene torkeln schon nachmittags durch die Stadt. Wir verbringen unseren ersten Hochzeitstag hier und wollen uns ein feines Nachtessen in einem romantischen Restaurant gönnen. Aber der Bus ins Zentrum bleibt im Stau stecken. Also steigen wir aus und gehen zu Fuss weiter. Dummerweise herrschen eisige Temperaturen und ein Schneesturm zieht durch die Stadt. Unser nächstes Ziel ist ein brasilianisches Restaurant. Als wir eintreten, erkennen wir sofort, dass es in der Zwischenzeit zu einem indischen Restaurant geworden ist. Ohne Diskussion kehren wir zurück in die Kälte. Nach fehlgeschlagenem Plan C wählen wir schlussendlich etwas genervt ein mongolisches Restaurant, wo wir uns bei einem Stück Fleisch und Wein wieder auftauen und beruhigen.

Autofahren in der Mongolei

mongolisches Verkehrsnetz
mongolisches Verkehrsnetz

Auto fahren in der Mongolei unterscheidet sich völlig vom Fahren in anderen Ländern. Es gibt praktisch keine Strassen sondern Pisten, auf denen wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20km/h dahinholpern. Wenn wir am Abend 200km geschafft haben, sind wir zufrieden. Sobald wir finden, dass wir für diesen Tag genug gefahren sind, fahren wir querfeldein weg von der Piste und stellen Chevy irgendwo ab. Obwohl wir jedes Mal glauben, dass wir hier mausbeinallein sind, tauchen doch innerhalb von einer halben Stunde jedes Mal ein oder mehrere Nomaden hoch zu Ross aus dem Nichts auf, die uns begutachten. Oft liegen sie sofort unters Auto und untersuchen Chevy von unten, bevor sie uns eine Runde auf ihrem Pferd reiten lassen und danach wieder davon galoppieren. Während drei Wochen Fahren haben wir nur ein Strassenschild gesehen und fahren deshalb meistens nach Kompass. Manchmal führt eine solche Piste nur zur nächsten Yurte, wo wir versuchen, nach dem Weg zu fragen, ohne von den beiden Hunden aufgefressen zu werden, die mit zurückgelegten Ohren und gefletschten Zähnen ihr Territorium verteidigen. Doch unseren Weg finden wir immer, wenn auch manchmal mit Verspätung….

Beinahe ausgestorbene Przewalski

Przewalski
Przewalski

Die Przewalski Pferde oder Takhis sind in den 60er Jahren beinahe ausgestorben. Nur etwa ein Dutzend dieser Pferde existierten noch in Zoos in Europa und Russland. Ein intensives Zuchtprogramm hat die Anzahl der Przewalski Pferde aber wieder auf etwa 1500 erhöht, so dass zwischen 1992 und 2004 diese Pferde in der Mongolei wieder ausgewildert werden konnten.
Przewalski Pferde sind die Vorgänger der domestizierten Pferde und die letzten wilden Pferde weltweit. Es handelt sich nicht einfach um Hauspferde, die wild leben sondern sie haben einen anderen DNA Aufbau als die Hauspferde.
Wir möchten diese wilden Pferde im Khustain Nationalpark beobachten. Und tatsächlich finden wir schon kurz nach dem Eintritt eine Herde an einem Bach grasen. Wir setzen uns ins Gras und schauen den Pferden aus sicherer Entfernung zu. Sie sind nicht an Menschen gewöhnt sondern werden völlig sich selbst überlassen. So lässt man es auch zu, dass durchschnittlich fünf Fohlen pro Jahr von Wölfen gerissen werden. Auf der Weiterfahrt überholt uns ein Ranger auf dem Motorrad. Er treibt eine Herde Hauspferde vor sich her. Offensichtlich sind Hauspferde in diesem Nationalpark nicht willkommen. Verständlich, wenn sie sich mit den Przewalskis kreuzen, war das ganze Zuchtprogramm für die Katz.

Die Rache des Kuhgottes

Chevy steckt fest
Chevy steckt fest

Im ganzen Land verteilt liegen Skelette von Pferden und Kühen am Boden. Wenn hier ein Tier stirbt, wird es offensichtlich liegen gelassen. Geier mit einer Grösse von 1m und einer Spannweite von 3m nagen das Skelett ab, so dass am Schluss nur noch blitzblank weisse Knochen herumliegen.

Eines Tages können wir uns nicht mehr beherrschen und nehmen einen Kuhschädel vom Boden auf um damit auszuprobieren, wie er an Chevy aussehen würde. An der Kühlerhaube: nicht schlecht. Zwischen den Scheinwerfern auf dem Dach: Auch nicht zu verachten. Vor Mäses Kopf: Sehr lustig. In Anbetracht der bevorstehenden Einreise nach Russland entscheiden wir uns aber, auf den Kuhschädel wo auch immer zu verzichten und fahren weiter.

Irgendwann haben wir die Strasse verloren und sehen weit und breit keine Spur mehr. Nur am Horizont glauben wir die Piste zu erkennen. Also wählen wir den Weg querfeldein und merken bald, dass dies keine gute Idee ist. Mäse streckt den Kopf auf seiner Seite aus dem Fenster, ich schaue bei mir heraus. Alles gut, schreien wir uns zu. Immer noch alles gut. Ou, Achtung nicht mehr gut! Ein kurzer Moment Anhalten genügt und schon ist’s passiert: Wir stecken fest! Die Profile der Reifen sind bereits mit Erde gefüllt, so dass sie durchdrehen, ohne dass sich Chevy einen Millimeter bewegen würde.

Beim Aussteigen stehen wir auf einem Boden wie Pudding. Bei jedem Schritt federt er mit und Wasser quillt neben den Schuhen empor. Es ist gut möglich, dass in der Regenzeit hier ein See ist und der Boden unter der Grasoberfläche nach wie vor mehr einem See gleicht als einem festen Untergrund. Hier stehen wir jetzt also, Chevy mit allen vier Reifen bis zur Hälfte eingesunken. Mäse beginnt mit unserem kleinen Wagenheber Chevy hochzustemmen und die Erde unter den Reifen wegzuschaufeln, während ich den Trekkingrucksack schnappe und ihn am nahen Berg mit Steinen fülle, um sie unter die Reifen zu legen damit wir wieder einen festen Untergrund haben um so aus den Löchern herauszufahren. Meine Hoffnung, dass bald ein Nomade mit Truck auftaucht, der uns herausziehen könnte, bleibt unerfüllt. Nach fünf Stunden wird es dunkel. Immerhin steht Chevy genug gerade, so dass wir darin schlafen können ohne Gefahr zu laufen aus dem Bett zu rollen.

Rettung naht

das Rettungstrassee
das Rettungstrassee

Die Lage erscheint uns quasi aussichtslos, Chevy ohne fremde Hilfe wieder auszugraben. Am nächsten Morgen stehen wir in der Dämmerung bei Minustemperaturen wieder bereit, um weiter zu graben. Da die Schaufel gestern kaputt gegangen ist, gräbt Mäse mit blossen Händen weiter. Als kleine Motivation ist Chevy in der Nacht noch tiefer eingesunken Irgendwann kommt ein Nomade vorbei. Er schaut sich alles an, versteht, dass wir einen Truck brauchen und reitet davon. Wir sind gerade bei einer Tasse Tee, als der Nomade mit einem Mädchen und einem Jungen wieder auftaucht. Sie machen uns verständlich, dass sie einen Truck organisieren könnten. Ich kehre mit ihnen in ihre Yurte zurück, während Mäse inzwischen versucht, Chevy selber zu befreien. Zu viert eingeklemmt zwischen Vater und Tochter sitze ich wenig später auf dem Motorrad. Ich trete durch die tiefe Türe ein und stehe in einer richtigen mongolischen Yurte. An der Wand entlang stehen drei Betten und zwei Kommoden. In der Mitte steht ein Ofen und ein niedriger Tisch mit zwei Hockern. Ich setze mich auf ein Bett und erhalte eine Schale Stutenmilch. Sie schmeckt wie mit Wasser verdünnte Milch mit viel Salz. Mithilfe vom mongolisch-englischen Voci vereinbaren wir, dass der Vater ins nächste Dorf fährt, um einen Lastwagen zu organisieren. Logo bin ich einverstanden. Ich verbringe die Zeit mit der Tochter und ihrem kleinen Bruder. Obwohl wir kein Wort miteinander sprechen können, verstehen wir uns. Der Kleine ist völlig hingerissen von meinem Bilderwörterbuch und schaut es immer wieder an. Es ist schon Nachmittag, als sich der Vater per Telefon aus dem Dorf meldet. Er hat einen Truck gefunden und kehrt mit ihm zurück. Die Tochter und ich kehren zu Chevy zurück. Völlig überrascht sehe ich, dass es Mäse tatsächlich gelungen ist, ihn auszugraben. Wir können den Truck wieder absagen. Überschwänglich bedanken wir uns bei der Tochter, plündern unseren Kühlschrank für Gemüse und Früchte, das sie hier nicht zu oft sehen und zahlen den vereinbarten Preis für ihre Hilfe trotzdem. Froh, so glimpflich davongekommen zu sein, fahren wir davon.

Erdene Zu Khiid

Erdene Zu Khiid
Erdene Zu Khiid

Mit unserer wieder gewonnenen Beweglichkeit fahren wir weiter nach Karkorum und besichtigen dort das Kloster Erdene Zuu Khiid. Es war eine grosse Anlage, bevor es unter dem Regime von Stalin grösstenteils zerstört worden ist. Hier sehen buddhistische Klöster anders als und auch Buddha selber ist für mein Laienauge anders dargestellt als noch in SO Asien oder in China.

Zirkus in der Provinz

zirkusreife Vorstellung
zirkusreife Vorstellung

In Ulaanbaatar haben wir eine Frau aus Tariat kennengelernt, die ein Guesthouse führt. Wir besuchen sie mit der Idee, einige Tipps für die Umgebung zu erhalten. Sie empfängt uns herzlich und lädt uns ein, an diesem Abend eine Show zu besuchen, wo ihre Tochter als Schlangenmensch auftreten wird. Zuvor empfiehlt sie uns aber den Besuch des Vulkans Thorgo Uul. Wir nehmen ihren Bruder und ihre drei Söhne grad auch noch mit. Sie freuen sich wohl mehr über eine Fahrt mit Chevy als über den Vulkan. Der Krater ist wie aus dem Bilderbuch und bietet zudem eine schöne Aussicht über den White Lake bzw. Terkhin Tsagaan Nuur. Die Jungs nehmen Mäse in ihre Mitte und umrunden mit ihm dreimal den Ovoo wobei sie bei jeder Runde einen Stein auf den Haufen werden. Das soll Glück bringen.
Das Highlight der Show am Abend ist klar und mit Abstand die Tochter, die sich verbiegt, dass mir die Knochen weh machen. Wir sind überrascht, unter all den mittelmässigen Darbietungen eine zirkusreife Vorstellung anzutreffen und verstehen den unverhüllten Stolz der Eltern nun.

Nach den vielen Tagen Fahren gönnen wir uns einen freien Tag und machen einen Ausritt. Dick eingepackt reiten wir den White Lake entlang. Wir haben zwei gemütliche Pferde, bei denen wir während dem ganzen Weg das Gaspedal nicht finden. Wahrscheinlich haben sie gemerkt, dass wir beide keine geübten Reiter sind und sich deshalb nicht überanstrengt. Manchmal treffen wir auf eine Herde Pferde oder Yaks, meistens ist jedoch alles leer mit Ausnahme von Knochen. Ein Paradies für den Hund, der uns begleitet.

Alltägliche Erlebnisse

verschiedene Zuhause
verschiedene Zuhause

Die Fahrt zu unserem nächsten Ziel dem Khövsgöl Nuur zieht sich ungemein in die Länge. In einem Ort halten wir für einen Zmittag. Als die Serviertochter an unserem Tisch steht und uns als Ausländer erkennt, kehrt sich ohne ein Wort um. Etwas verdutzt schauen wir uns an, als eine andere Frau uns auf Englisch erklärt, dass die Serviertochter kein Englisch kann und zu schüchtern ist, um mit uns zu sprechen. Sofort stellen wir die Frau als unsere Dolmetscherin an und bestellen durch sie doch noch etwas bei der schüchternen Serviertochter.
Einkaufen ist ebenfalls jedes Mal ein Abenteuer. Die Minimarkets sind entweder geschlossen oder sehr mini. Manchmal braucht es drei solcher Minimarkets bis ich eine Flasche Wasser finde. Diese zu kaufen bereitet mir fast ein schlechtes Gewissen. Wenn ich Brot entdecke, ist das ein Erfolgserlebnis und über einige halb verfaulte Zwiebeln freuen wir uns ebenfalls. Zum Glück haben wir uns in Ulaanbaatar mit Vorräten eingedeckt, so dass wir nicht Gefahr laufen zu verhungern. Wir leben diesen Monat vor allem von Konserven, Teigwaren und Reis.
Kurz nach dem Dorf halten wir erneut auf einem Feld. Ich dusche wegen den kalten Temperaturen wieder mal im Blitzverfahren mit unserer Aussendusche. Gerade als ich mit Tuch um den Körper zurück in den Chevy steige, fährt ein Motorrad vorbei und hält hinter Chevy an. Es geht nicht lange, da stecken zwei ihre Köpfe rein. Mäse hat Rasierschaum im Gesicht und ich zum Glück immer noch das Tuch umgewickelt. Sie erkennen die Situation sofort und verziehen sich wieder.

Khövsgöl Nuur

Aussicht auf Khövsgöl Nuur
Aussicht auf Khövsgöl Nuur

Nach vier Tagen Fahren treffen wir endlich beim Khövsgöl Nuur ein. Dieser See ist 2’760km2 gross und gilt als die 14. grösste Frischwasserquelle der Welt. Er beinhaltet zwischen 1% – 2% des Frischwassers weltweit. Es ist der tiefste See in Mittelasien (bis zu 262m) und der um “läppische“ 23 Mio. Jahre jüngere Bruder des Baikalsees in Russland. Beide sind durch dieselben tektonischen Kräfte entstanden.
Wir genehmigen uns wiederum einen Tag Auszeit vom Fahren. Meine Idee, hier an den Strand zu liegen und zu sonnen fällt ins Wasser. Der ganze See ist noch mit einer Eisschicht bedeckt. Also entschliessen wir uns, auf einen Berg wandern, um den riesigen See von oben anzuschauen. Auf gut Glück gehen wir los und landen bald in einem Urwald aus Lerchen. Den See können wir zwischen den Zweigen erahnen. Auf einer Lichtung rasten wir und Mäse klettert auf den nächsten Baum um den See trotz der vielen Bäume ungestört zu sehen.

Fast zum zweiten Mal festgesteckt

Oase in Sanddünen
Oase in Sanddünen

Obwohl ich gerne mehr Zeit in diesem Land verbringen würde, drängt uns das Ablaufdatum unseres Visums zum Vorwärts fahren. Je weiter wir gegen Westen kommen, desto mehr ändert sich die Landschaft von Steppe mit kleinen Büschen zu immer grüneren Flächen. Unser Ziel ist ein See mitten in Sanddünen. Die Dünen werden immer höher und sandiger und wir entschliessen uns, dem Pfad zu folgen und nicht quer über die Dünen eine neue Spur zu machen. Schliesslich macht Erfahrung klug….. Der See mitten in den Dünen ist umgeben von leuchtend grünem Gras. Daneben stehen drei Yurten. Kaum sind wir ausgestiegen, reitet ein Nomade herbei. Er will Chevy sehen und ist ganz begeistert von ihm. Nachdem er uns die Besonderheiten seines Sattels erklärt hat und wir seinen Sattel gebührend bewundert haben, macht er uns ein Angebot für sein Ross für 600$. Wir geben ihm zu verstehen, dass wir keinen Platz für ein Ross im Auto haben und er reitet lachend davon.
Bereits seit unserer Ankunft ist Mäse nervös, ob wir’s wieder aus dem Sand den Berg hinauf auf die Piste schaffen. Am nächsten Morgen steuert er mit durchgedrücktem Gaspedal auf die nächste Sanddüne zu und gräbt Chevy ein. Zum Glück kommen wir rückwärts wieder hinaus. Nachdem er an allen vier Reifen Luft abgelassen hat, versucht er’s nochmals. Mit durchgedrücktem Gaspedal pflügen wir durch den Sand und schiessen auf die Piste. Nochmals gutgegangen!

Flussüberquerung

Chevy im reissenden Fluss
Chevy im reissenden Fluss

Für die letzten Tage in der Mongolei will sich Chris, mit dem wir durch China gefahren sind und durch die Gobi nach Ulaanbaatar wieder mit uns treffen, um gemeinsam durch Russland zu fahren. Er erzählt uns Horrorgeschichten von einer Durchquerung durch einen reissenden Fluss, bei der Motorräder gestürzt sind. Bisher waren die Flüsse aber entweder ausgetrocknet oder ein Rinnsal. Deshalb schenke ich seinen Geschichten nicht allzu viel Beachtung. Nach Überquerung eines Passes sehen wir eben diesen Fluss und er ist das Gegenteil von einem Rinnsal geschweige denn ausgetrocknet. Auf der Suche nach der richtigen Stelle zum Durchfahren finden wir eine Furt, wo sich auf der anderen Seite gerade Hirten mit Ziegen und Kühen versammeln. Mäse krempelt sich die Hosen hoch und durchquert den Fluss zu Fuss. Das Wasser reicht ihm schon bald bis zu den Oberschenkeln und hat starke Strömung. Chevy geht da nicht durch, geschweige dann Chris’ Motorrad. Wir beschliessen, im nahen Dorf um Rat zu fragen und werden bei der Einfahrt vom Dorfpolizisten und dem Englischlehrer angehalten. Sie scheinen uns vom Himmel geschickt worden zu sein und bieten an, uns die richtige Stelle für die Durchfahrt zu zeigen. Wenig später stehen wir an derselben Furt, wo wir vorhin schon waren. Nachdem die Hirten und der Polizist beide hier überqueren würden, muss es wohl diese Stelle sein. Mäse krempelt sich die Hosen von neuem hoch und probiert eine andere Route aus. Tatsächlich findet er einen Weg, wo das Wasser nie tief wird und er immer mit der Strömung fahren kann. Ich packe die Kamera und wate auf die andere Seite, während sich Chris mit seiner Kamera ebenfalls in Position stellt. Langsam fährt Chevy ins Wasser. Das Reserverad wird nicht mal richtig nass. Trotzdem bin ich erleichtert, dass alles gut gegangen ist. Auch Chris’ Motorrad kommt dank Mäses Hilfe sicher auf der anderen Seite an. Jetzt trennen uns nur noch wenige Kilometer von der russischen Grenze.

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Kommentare: 4
  • #1

    Susanne (Montag, 02 Juli 2012 13:26)

    Wow, eimal meh en sehr sehr iidrückliche Bricht mit viel spannende Moment, wo am Schluss zum Glück alles guet gange isch;-)
    Es isch schön zwüsse, dass ihr immer nächer in Richtig "hei" chömed. Ich freu mich wie es chliises Chind und chans chum erwarte na meh vo däne interessante Gschichte zghöre. Ich stell mer eui zwei während em läse immer bildlich vor und muen dänn amel richtig schmunzle. Ich bewundere eui ganz fest, ihr sind eifach super!!!!!
    Bis bal mini Liebe, big hug
    Schwösi

  • #2

    Päp (Montag, 02 Juli 2012 14:34)

    Liebe Karin und Mäse
    Euer Blog liest sich wie ein unheimlich spannender Roman und plötzlich ertappe ich mich beim Gedanken, da auch dabei sein zu wollen. Es sind dermassen viele Erlebnisse, auch Erfahrungen, bei denen es Gelassenheit, Besonnenheit und Reife braucht, vielleicht machmal etwas Glück, immer aber den Optimismus: "Das schaffen wir". Ich wünsche euch auch weiterhin auf eurer Fahrt nach Hause viel solche tollen Eindrücke. Wir freuen uns, bis ihr wieder da seid. Ganz liebi Grüess
    Päp

  • #3

    Gaby (Dienstag, 03 Juli 2012 12:41)

    Hallöchen ihr zwei Abentürer, das isch ja mal wieder än ganz lange und würkli Erläbnis richi itrag. Es isch jedes Mal eifach super, wie du schriebsch und mer hät s'Gfühl meh segi debi. Ich cha mir vorstelle, dass ihr eu so ganz langsam uf äs richtigs "Schwizer Ässe" freuet, nach all dene verschiedene kulinarische Abentür. Zerscht aber witerhin trochni und nöd allzu sandigi Witerfahrt. Wie immer es ganz liebs Grüessli us em chalte Cape Town. Gaby

  • #4

    Jonny (Freitag, 06 Juli 2012 10:53)

    Hoi zäme, mit intresse verfolg ich regelmässig euer Blog! Sehr idrücklich was Ihr erlebet. Echt spannend, mer wer fascht au gern debi ;-). Zum Glück gits www scho a de undenkbarste ecke uf dere welt, süsch chöntet mir da jetzt nöd so teilha ;-). Viel spass eu na!!! Gruess jonny

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