Chinamarathon

auf dem Weg nach China
auf dem Weg nach China

Der grosse Tag ist gekommen und wir stehen vor dem chinesischen Zoll. Alle sind angespannt. Was wird uns die nächsten zwei Wochen erwarten? Diverse Geschichten kursieren, die meisten Overlander berichten vor allem Negatives von ihrer Zeit in China. Wie werden wir es erleben? Wir sind vier Parteien, die alle mit ihrem Auto von Europa bis nach Laos gekommen sind. Für uns alle ist es normal, dass wir die Strassenschilder nicht lesen können, im Restaurant mit Händen und Füssen bestellen und uns jeden Tag irgendwie durchwursteln. Doch für China haben wir zwei Führer, nicht damit sie uns diese Aufgaben abnehmen, sondern um uns auf der vorgegebenen Route durch das Land zu lotsen und uns an der mongolischen Grenze in 4500km Entfernung wieder abzugeben.

Einreise nach China

Nachdem wir unsere Führer gefunden haben, geht es sofort los mit der Einreise nach China. Beifahrer zur Passkontrolle, Fahrer mit ihrem Auto hinter das Zollgebäude. Aber bei der Passkontrolle hat ein anderer Zöllner das Sagen, und der will die ganze Gruppe auf einmal vor seinem Schalter haben. Also zurück die Männer suchen. Sie fahren gerade durch die Desinfektionsanlage, wahrscheinlich um den laotischen Staub zu neutralisieren. Eine Waschanlage wäre uns allen lieber. Nachdem unsere Autos wenigstens von aussen klinisch rein sind, gehen wir zusammen zur Passkontrolle. Hier steht ein moderner Apparat, der den Pass einliest und nach Eingabe der Visanummer die Einreisekarten ausdruckt. Dummerweise streikt er nach drei Formularen, so dass wir unsere Einreisekarten doch von Hand ausfüllen müssen. In einer vorher bestimmten Reihenfolge stehen wir am Schalter an, werden alle nochmals sorgfältig überprüft und nach dem Namen gefragt. Die Fahrer können darauf ihre Autos holen.

Hund zum Mittagessen?

chinesisches Essen
chinesisches Essen

Dieser erste Schritt ist gut gegangen, doch wir können das Gaspedal deswegen noch lange nicht durchdrücken. Erst mal fahren wir zum Mittagessen. Es wird auf einer drehbaren Glasscheibe in vielen verschiedenen Schüsselchen serviert. Jeder pickt sich mit seinen Stäbchen das heraus, was er gerne zum Schüsselchen Reis vor der Nase möchte. Es empfiehlt sich also, die Stäbchen zu beherrschen, sonst bleibt man vor einer blanken Schüssel Reis sitzen.

 

Frank will während seines Aufenthalts in China Hund probieren, was eine erhitzte Diskussion in Gang setzt, dass man nur Tiere ohne Persönlichkeit essen soll. Ab wann hat ein Tier denn Persönlichkeit? Jedenfalls essen alle vom Schweinefleisch. Das Schwein hatte wohl keine Persönlichkeit…

Chinesisches Strassenverkehrsamt

Chevy ist an der Reihe
Chevy ist an der Reihe

Nach dem Mittagessen müssen wir zur Traffic Police Station, wo die Bremsen getestet werden. Auf einer digitalen Anzeige leuchtet unsere Autonummer auf. Ein Chinese fährt Vollgas auf eine Scheibe und macht eine Vollbremse und im zweiten Anlauf einen Handbremsenstopp. Chevy besteht knapp, die beiden anderen Fahrzeuge fallen durch. Grosse Entrüstung! Was wollen die Chinesen jetzt machen? Sie können uns schlecht wieder aus dem Land werfen. Frank und Dara beginnen an ihren Fahrzeugen herumzuschrauben. Frank versucht’s noch mal und fällt ein weiteres Mal durch. Doch die Chinesen drücken ein Auge zu und auch Daras LKW wird auf einmal akzeptiert. Der näher rückende Feierabend hat zu dieser Entscheidung sicher beigetragen.

China aus dem Bilderbuch

Reisterrassen im Süden von China
Reisterrassen im Süden von China

In den nächsten Tagen entwickeln wir einen Tagesrhythmus, den wir die kommenden zwei Wochen beibehalten. Wir fahren um 9.00h morgens ab, halten für ein Mittagessen und fahren den Nachmittag durch bis wir uns am späteren Nachmittag nach einem Übernachtungsplatz umschauen.

 

Die Landschaft führt durch Berge mit Reisfeldern, in denen Leute von Hand die einzelnen Reispflänzchen setzen. Wir sehen Ochsen vor Pfluge gespannt, neben ihnen ein alter Mann in kniehohen Gummistiefeln, die Felder pflügen.

 

Nach einigen Tagen ändert sich die Landschaft und wird zunehmend trockner. Getreidefelder herrschen vor. Wir sehen riesige Ebenen, auf denen jeder m2 landwirtschaftlich genutzt ist. Die Strassenlampen haben alle Solarzellen und auf den Bergen stehen Windräder zur Energiegewinnung.

Neue antike Städte

Tempel in Dali
Tempel in Dali

Zwei antike Städte liegen auf unserem Weg, Dali und Lijiang. Auf mich wirken diese beiden Städte wie Filmkulissen. Sie sind nicht wirklich antik sondern hergerichtet worden, damit sie antik wirken. Spring unsere Führerin nimmt uns mit in ein Restaurant, wo Hotpot serviert wird, eine Spezialität in Lijiang. Es handelt sich um einen Wok mit Suppe, Schweinefett und ein wenig Gemüse. Wir haben wohl die Budgetversion erwischt, uns alle hat dieses Süppchen nicht recht überzeugt.

Vorhof zur Hölle

bei Panzhihua
bei Panzhihua

Auf der Weiterfahrt ändert sich die schöne Berglandschaft auf einmal dramatisch. Die Bäume und Sträucher haben einen Grauschleier, die Luft ist dunstig und die Strasse staubig. Zudem ist sie grottenschlecht. Schlaglöcher in der Grösse um den Chevy darin zu verstecken schmücken die so genannte Strasse. Wir holpern im Schritttempo, die Augen brennen vom Staub in der Luft und unsere Laune sinkt auf einen Tiefpunkt. Da sehen wir das Übel. Ein Kohlebergwerk verschmutzt die ganze Landschaft. Ich komme mir vor wie im Vorhof zur Hölle.

Autobahnbauen auf Chinesisch

Bauen können sie
Bauen können sie

Da es Chris mit seinem Motorrad verboten ist auf der Autobahn zu fahren, seilen sich die eine Führerin und er von uns ab um weiter durch die Berge zu fahren. Wir geniessen die Autobahn und kommen locker 400km am Tag vorwärts. Die Chinesen scheinen Autobahnen so gerade wie möglich zu bauen. Hindernisse wie Berge, Täler oder Seen sind kein Grund für eine Kurve. Da wird ein 10km langer Tunnel gesprengt, eine Brücke mit 50m hohen Pfeilern durch das ganze Tal gezogen oder ein See gestaut. Die alten Ruderboote liegen jetzt nutzlos in der Landschaft herum.

Armee aus Ton

Terrakottaarmee in Xi'an
Terrakottaarmee in Xi'an

Ein Höhepunkt unserer Chinareise ist die Terrakottaarmee in der Nähe von Xi’an. Diese Tonsoldaten bewachen das Mausoleum von Qín Shǐhuángdìs, dem ersten chinesischen Kaiser 210 v.Chr. Bis heute ist erst ein Viertel der gesamten Anlage freigelegt. Der Grabhügel selber ist immer noch geschlossen. Die Terrakottaarmee umfasst über 7000 Figuren. Es handelt sich um eine Darstellung einer echten Armee der Qin-Dynastie. Über 1000 Soldaten in verschiedenen Rängen sind bis jetzt ausgegraben und restauriert worden. Dabei hat jede Figur andere Gesichtszüge und eine leicht andere Haltung. Man ist sich uneinig, ob tatsächlich Soldaten für diese Tonarmee Modell gestanden sind oder ob die Figuren frei gestaltet worden sind.

Yungang-Grotten

Yungang-Grotten
Yungang-Grotten

Auf der Weiterfahrt sehen wir gigantische Wolkenkratzer. Alle noch im Bau, leer und unbewohnt. Wer soll hier jemals einziehen? Wahrscheinlich die künftigen Arbeiter im Kohlebergwerken, die hier stehen. Später fahren wir nochmals durch grüne Berge, sie erinnern mich ein wenig an die Anden. Zum Glück müssen wir nicht oben drüber fahren, sondern es gibt einen Tunnel. Unser Ziel sind die Yungang-Grotten, frühe buddhistische Höhlentempel. Die Anlage besteht aus 252 Grotten, die wir aber nicht alle besichtigen können. Mir genügen die knapp 40. Wir richten unsere Wagenburg auf dem Besucherparkplatz ein. Doch ein VIP (very important Parkplatzwächter) will uns wegschicken. Frank erklärt ihm, dass wir von Europa hierhergefahren sind, einen Hund dabeihaben und hier sehr sicher stehen. Das scheint ihn zu überzeugen. Wir müssen pro forma unsere Namen aufschreiben und er lässt uns dann in Frieden.

 

Unsere 17 Tage in China sind schon bald um. Der Grenzübertritt in die Mongolei verläuft wiederum reibungslos. Dies haben wir sicher unserer Führerin zu verdanken.

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Kommentare: 4
  • #1

    Anjes (Freitag, 25 Mai 2012 18:40)

    meine Lieben,
    ich bin froh, dass ihr glücklich in der Mongolei angekommen seid und das für mich so fremde Land hinter euch gelassen habt. Was es doch auf der Welt alles zu sehen gibt! Leider nicht nur Schönes und Interessantes, halt auch viel Trauriges und Unverständliches und Verrücktes. Ich freue mich immer von euch zu Lesen und zu hören und wünsche euch in der Mongolei vorallem viel Schönes und Erholendes! Grüsse aus der grünen Schweiz von
    Mami Anjes

  • #2

    Anjes (Freitag, 25 Mai 2012 18:54)

    "Erholsames" meinte ich natürlich.Die Panda Bären sind allerliebst, es gibt sie also wirklich noch, nicht nur in Plüsch! Freut mich!
    Anjes

  • #3

    Gaby (Sonntag, 27 Mai 2012 09:22)

    Guete morge ihr zwei, ha grad fascht min erschte Schock gha, woni gläse ha, dass Frank hät welle Hund ässe, das wär nämli bestimmt so eine wie min "Shanga" gsi !!!!! Für mich hät jedes Tier ä persönlichkeit, da sogar mini Schildchröte losed, wänn ich mit ihne rede. Guet also, das eifach mini Meinig zum Thema. Tja, es isch halt würkli niened uf dä Wält alles nume schön und grad China isch ja i dere Beziehig sehr zwiespältig. Hauptsach isch, ihr sind guet dure cho und händ wieder ganz neui Erfahrige chöne sammle. Viel Spass jetzt i dä chalte und froschtige Mongolei. Witerhin gueti Fahrt und passed uf eu uf. Ganz liebi Grüessli us Cape Town, Gaby und wuff, wuff Shanga

  • #4

    Mam (Montag, 28 Mai 2012 13:03)

    Hallo ihr Lieben,
    und wieder habt ihr prägende Eindrücke von einem Land mitgenommen. China hat bestimmt unglaublich viel zu bieten - Schönes und viel, das zu denken gibt.Kulinarisch hätte ich wohl auch meine Probleme! Ich weiss auf jeden Fall schon heute, was ich euch nach der Rückkehr kochen werde :-)
    Die Pandabären sind mega herzig und man möchte sie am liebsten kraulen...
    Ganz liebe Grüsse und viel Glück in der Mongolei
    Mam

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