Laos Nord

Grenze nach Muang Ngoen / Laos
Grenze nach Muang Ngoen / Laos

Nachdem wir die Grenze von Thailand nach Laos mitten in den Bergen nach Muang Ngoen überquert haben, machen wir uns auf bedeutend schlechtere Strassen als in Thailand gefasst. Schliesslich waren wir schon mal in Laos und glauben zu wissen, was uns erwartet. Doch zu unserer grossen Überraschung finden wir keine Schotterpiste sondern eine breite nigelnagelneue Autobahn. Nach einer Ehrenrunde über eine Baustelle wissen wir den Grund dafür. Hier ist ein Kohlekraftwerk am Entstehen, das den Thais Strom liefern soll. Der ganze Berg ist umgegraben und voller Schneisen.

Mittagessen in der Schulkantine

Elefanten im Garten
Elefanten im Garten

Nach einiger Zeit erreichen wir ein Dorf, wissen aber den Namen davon nicht. Bevor wir dieses Rätsel lösen, essen wir erst mal etwas und steuern das nächste Haus mit mehreren Tischen an. Unzählige Schüleraugen starren uns an. Doch neugierige Blicke sind wir uns in der Zwischenzeit gewohnt. Als Farang fällt man ausserhalb der Touristenorte sofort auf wie ein bunter Hund. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, in der Schulkantine vom Schulhaus vis-à-vis gelandet zu sein. Trotzdem erhalten wir etwas zu essen, neugierige Blicke der Schüler inklusive.

 

Wir sind tatsächlich in Hongsa, dem gesuchten Ort gelandet und quartieren uns im Garten von einem Guesthouse ein, das von einer Österreicherin geführt wird. Sie versorgt uns mit wertvollen Tipps für Luang Prabang und macht uns auf das Dorf der Ärmsten der Armen aufmerksam, das auf unserem Weiterweg liegen soll.

Tiefe Flussüberquerung

Flussüberquerung
Flussüberquerung

Auf der Weiterfahrt nach Luang Prabang haben wir einen Gast im Auto. Die so genannte Strasse führt mitten durch die Berge. Bevor es aber losgehen soll, kaufen wir auf dem Markt Zahnpasta, Zahnbürsten, Waschmittel und Shampoo. Die Strasse hat keine Ähnlichkeit mehr mit der gestrigen. Sie ist unasphaltiert, staubig und sehr schmal. Auf der einen Seite der Strasse ist der Berg, auf der anderen aber geht es steil bergab. Dass die Strasse immer schmaler wird und tiefe Fahrspuren hat, macht es nicht besser. Selbst Flüsse sind uns im Weg. Die ersten zwei sind nur knöcheltief und im Nu durchfahren. Beim dritten hält Mäse Chevy an, als das Wasser bereits bis zu den Radnaben reicht und erkundet die Flusstiefe zu Fuss. Tatsächlich reicht ihm das Wasser bald bis über die Knie. Es ist sicher nicht ideal, nach stundenlangem Hinauf- und Hinunterfahren das heisse Getriebe im kalten Flusswasser zu baden. Zum Glück ist das Wasser an einer anderen Stelle weniger tief, so dass wir unseren Weg fortsetzen können.

Die Ärmsten der Armen

zwei Welten treffen aufeinander
zwei Welten treffen aufeinander

Das Dorf der Ärmsten der Armen ist unübersehbar. Wir haben in der Zwischenzeit schon sehr viel Armut gesehen. Trotzdem war ich bestürzt ob dieser offensichtlichen Mittellosigkeit der Leute in diesem Dorf. Die Kinder mit verschlissenen Leibchen, eines völlig nackt bis auf einen Gummistiefel am linken Fuss. Die Haare sind staubig und dreckig und stehen in alle Richtungen ab. Die Frauen tragen alte Leibchen. Wir halten und verteilen unsere Hygieneartikel. Die Frauen und Kinder starren uns an und wir schauen sie an. Die Männer werfen lieber einen Blick in die geöffnete Motorhaube von Chevy. Die Leute scheinen nichts zu haben, ich sehe weder einen Strommasten noch eine Satellitenschüssel. Nicht einmal ein Töffli steht herum. Ich bin so erschreckt ab dieser Armut, dass ich spontan vier T-Shirts heraussuche und sie den Frauen schenke. Sie haben sicher mehr Freude daran als ich.

Chevys neues Hobby ist Quietschen

Der Übeltäter ist gefunden
Der Übeltäter ist gefunden

Die geschätzten fünf Stunden Fahrzeit stellen sich dann als 10 Stunden heraus. Obwohl die Landschaft meistens schön grün ist, bin ich froh, als wir am Abend in Luang Prabang ankommen. Für diesen Abend muss ein Parkplatz am Mekong genügen. Am nächsten Tag werden wir uns nach etwas besserem umsehen.

 

Diese Bergfahrt hat Chevy einmal mehr nicht gefallen. Er quietscht schon wieder. Wir finden am nächsten Tag einen Sportplatz, wo die Locals ihre ersten Fahrübungen machen und stellen uns hier hin.

 

Mäse schraubt Chevy auseinander, um den Grund für das neue Quietschen zu finden. Er vermutet den Fehler im Verteilergetriebe und schraubt diese komplett auseinander. Am Nachmittag versammeln sich die Tuktukfahrer hier und natürlich kommt jeder vorbei, steckt seine Nase ins Getriebe und will helfen. Mäse passt das gar nicht, er hat Angst, dass einer etwas vermurkst. Nach fünf Stunden ist der Grund des Quietschens immer noch unbekannt. Ich überlege schon, in welchem der nächsten Länder wir eine geeignete Garage finden und wie lange wir in diesem Zustand überhaupt noch fahren können. Da rüttelt Mäse am Gummi-Schwingungsdämpfer und hält diesen in den Fingern. Der Gummi dazwischen ist vollständig zerfetzt, so dass der Schwingungsdämpfer direkt am Chassis reibt und das Quietschen verursacht. Halleluja! Diesen Erfolg feiern wir in der nächsten Pizzeria. Es sieht hier aus wie in einem Pub in Europa. Das Essen schmeckt auch so. Dummerweise sind die Preise ebenfalls auf europäischem Niveau. Auf jeden Fall hebt es unsere Laune.

Gummi ist out

ich bin fast Mechaniker
ich bin fast Mechaniker

Am nächsten Tag ist Mäses Plan ausgereift und er zieht los, den Schwingungsdämpfer zu reparieren. Gummi kommt nicht mehr hinein, ab sofort ist Eisen das einzig Wahre. Das geht wenigstens nicht kaputt. Seine Mission ist erfolgreich und nach einem Ölwechsel ist Chevy schon bald wieder zusammengebaut. Wegen der bevorstehenden Chinadurchfahrt sind wir nervös. Wir haben in 14 Tagen 4000km zu bewältigen und nur wenig Zeit, uns um allfällige Reparaturen zu kümmern. Hoffentlich ist jetzt alles auf Vordermann. Viel Gummi ist in der Zwischenzeit ja nicht mehr vorhanden.

Ebene der Tonkrüge

Lagerstätte 1
Lagerstätte 1

Nach zwei Tagen in der gemütlichen Stadt Luang Prabang fahren wir weiter nach Phonsavan. Auch während dieser Strecke ist die Landschaft ausnahmsweise schön grün und erinnert uns ein wenig an die Schweiz. Üblicherweise ist die Landschaft nun am Ende der Trockenzeit braun und vielerorts wird Brandrodung betrieben, so dass die Luft zusätzlich dunstig ist.

 

In Phonsavan gibt es die Ebene der Tonkrüge. Dort befinden sich Steinkrüge in der Grösse von einem halben bis zu 2.80m. Sie sind etwa 2000 Jahre alt und der schwerste wiegt 6t. Der Verwendungszweck ist unklar. Mäse mit einem fast leeren Bauch vermutet sofort Vorratslagerung. Die Wissenschaft spricht von Begräbnisurnen.

 

Obwohl es zahlreiche Lagerstätten gibt, sind nur drei zugänglich. Durch die Bombardierung der amerikanischen Truppen von 1964 – 73 sind viele Lagerstätten nach wie vor von unexplodierten Bomben durchsetzt. Die drei zugänglichen Lagerstätten sind zwar geräumt, doch man darf sich ausschliesslich auf den markierten Wegen aufhalten.

 

Wir fahren also los zu dieser Ebene direkt zum Hinweisschild, wo wir gestern Töpfe abgebildet gesehen haben. Dass wir am falschen Ort sind, merken wir erst, als wir den Berg hinaufkeuchen und drei einzelne Töpfe sehen. Vom Berg haben wir eine schöne Aussicht, das war’s. Erst im Auto kommt mir die geniale Idee, unser Ziel im Navi einzugeben. Nach vielen Ländern ohne Karte auf dem Navi müssen wir uns zuerst wieder daran gewöhnen, das Navi für mehr als nur die Routenaufzeichnung zu benützen. Erfolgreich fahren wir zu der ersten Stätte, einer grosse Wiese mit Bäumen und verstreuten 250 Töpfen.

Vernichtung des letzten Gummis

Stahl ist das einzig Wahre
Stahl ist das einzig Wahre

Unglaublich, aber wahr, Chevy quietscht schon wieder! Dieses Mal sind es die Gummis der Schwingungsdämpfer der Blattfederlager, die wir in Thailand ersetzt haben. Nach nicht einmal 1000km sind sie schon wieder zerfressen. Die nächsten paar Stunden liegt Mäse wieder unter Chevy. Die nutzlosen Gummis werden mit Stahlbolzen ersetzt. Hoffentlich halten die bis wir zuhause sind.

China nähert sich

von Chinesen gesponserte Autobahn
von Chinesen gesponserte Autobahn

So aufgerüstet machen wir uns auf zu unserer letzten Station in Laos und in Südostasien, nach Luang Nam Tha, 60km vor der chinesischen Grenze. Wir fahren den ganzen Tag, nur unterbrochen von einem Mittagessen. Das Restaurant hat zwei Tiere in einem Käfig. Sie haben eine Schweinchenschnauze, einen Rattenschwanz, die Grösse eines Hasen und fauchen. Es sieht nicht nach einem kuscheligen Haustier aus und ich frage mich, was für Fleisch ich soeben gegessen habe.

 

Der letzte Teil der Strecke gleicht dann wieder einer Autobahn. Dieses Mal haben die Chinesen investiert um Rohstoffe speditiv nach China zu transportieren. Doch links und rechts der Strasse stehen die üblichen Bambushütten. So weit ist es also nicht her mit der Wohltätigkeit der Chinesen. Mir fallen die vielen chinesischen Lastwagen auf. Auch die Strassenschilder sind auf einmal zuerst auf Chinesisch und erst unten auf Laotisch angeschrieben.

Chinacrew

Die anderen Teilnehmer sind bei unserem Eintreffen alle schon in Luang Nam Tha. Sie besteht aus Chris (D) mit einem Motorrad, Frank (D) mit einem Unimog, Zuzana (CZ) und Dara (IRL) aus der Tschechei mit einem Magirus Deutz und uns. Wir sind also die mit dem kleinsten Auto. Die anderen beiden sind LKWs und bedeutend grösser und schwerer als wir. Dafür sind wir schneller;-) (sofern nicht wieder ein Gummi seinen Geist aufgibt) Es scheint eine lustige Gruppe zu werden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Judith (Dienstag, 01 Mai 2012 07:36)

    Habt ihr genügend Koffein im Vorrat, das wird ja ein rechter Marathon! Chevy, gib ja den Geist nicht zmitzt in China auf!! Küssli und ihr hört bald von uns..

  • #2

    Gaby (Dienstag, 01 Mai 2012 09:34)

    Guete morge ihr zwei, eigentlich chanich gar ned rächt schriebe,dänn ich bin ganz fescht am Dumme drucke, dass dä Chevy au ja mit macht und eu heil wieter bringt. Also, ich bin absolut beidruckt vo dim technische wüsse über Chevy Karin. Bald chasch du bestimmt alles au sälber flicke, oder ????? Ich wünsche eu ä gueti Wieterreis, zäme mit euere Gruppe. Liebs Grüessli us em hüt ändlich wieder sunnige Cape Town, Gaby

7. September 2012

Gleich zwei neue Blogbeiträge über unsere letzten Abenteuer und unsere Heimkehr sind online sowie die Fotos dazu.

 

4. September 2012

Übernachtungsplätze ab Kasachstan bis nach Deutschland sind online. 

 

4. September 2012

Unsere visuelle Route ist vollendet und zeigt die letzten Stationen auf unserer 14-monatigen Reise.