Nordthailand

Streetfood an der Khao San Rd.
Streetfood an der Khao San Rd.

Wieder zurück in Bangkok, erwartet uns ein Sammeln von Visas. Da wir mit der neuen Route von jedem Land ein Visum benötigen bis wir zurück in Europa sind, steht uns einiges bevor. Bangkok hat viele Botschaften und Konsulate, deshalb eignet sich diese Stadt hervorragend, um einen Teil der nötigen Visas zu organisieren.

Ich verzichte bewusst darauf, Visainformationen oder Abläufe hier näher zu erläutern. Am besten erkundigt man sich direkt bei der entsprechenden Botschaft oder sucht im Reiseführer / Internet die gewünschten Informationen heraus. Ich habe im Internet die Seite www.caravanistan.com benutzt und die darin beschriebenen Abläufe für Bangkok bestätigt gefunden.

Gruseliger Übernachtungsplatz

Chevy mit speziellen Nachbarn
Chevy mit speziellen Nachbarn

Unsere schöne Ferienzeit mit klimatisierten Hotelzimmern ist vorüber. Obwohl in Bangkok nach wie vor ein feuchtes heisses Klima herrscht, ziehen wir wieder in unser Zuhause auf vier Rädern um. Wir haben dank einem Tipp des französischen Pärchens einen super Übernachtungsplatz mitten an der Silom Rd gefunden. Es ist ein chinesischer Friedhof, allerdings heute ausser Betrieb. Zwar stehen die Gräber noch, doch wird der Platz jetzt als Parkplatz gebraucht. Wir haben uns mit Chevy hier einquartiert und sehr ruhige Nächte verbracht. Alles andere hätte mich auf einem Friedhof zutiefst erschreckt.

Neue Hinterfinken für Chevy

Chevy finkenlos
Chevy finkenlos

Da wir seit Vientiane mit dem Reserverad herumfahren, ist unsere nächste Aktion die Beschaffung von neuen Hinterreifen für Chevy. Wir haben gedacht, dass dies in Bangkok eine leichte Übung ist. Doch bis wir die passenden Reifen gefunden haben, dauert es einen Moment. Nach 25’000km erhält Chevy zwei neue Hinterfinken und ist wenigstens reifentechnisch gerüstet für den Heimweg.

Brücke am Kwai

Die Brücke am Kwai
Die Brücke am Kwai

Während der Wartezeit für unsere Visas nutzen wir die folgenden zwei Wochen dazu, die weitere Umgebung von Bangkok zu erforschen. Die erste Station ist Kanchanaburi. Hier steht die berühmte Brücke am Kwai. 

 

Die Brücke ist Teil einer Eisenbahnlinie, die im WWII von alliierten Kriegsgefangenen unter schrecklichen Umständen für die Japaner gebaut worden ist. Auf einer Länge von 415km sollte sie die Versorgungslinie von Ban Pong in Thailand nach Thanbyuzayat in Myanmar sicherstellen. Während der Konstruktion dieser Eisenbahnlinie durch Dschungel und über Berge starben 100'000 Gefangene unter den schlechten hygienischen Zuständen in den Gefangenenlagern sowie an Unterernährung und Tropenkrankheiten.

Höllischer Pass

Hellfire Pass
Hellfire Pass

Einer der Orte, wo eine Schlucht in den Felsen gehauen werden musste, ist der Hellfire Pass. Zur Verfügung standen nur Meissel, Hammer und Dynamit. Zudem haben die Japaner das Datum der Fertigstellung der Eisenbahnlinie vorverschoben, so dass auch in der Nacht gearbeitet werden musste. Im Schein von Fackeln haben die halbverhungerten kranken Gefangenen also gehämmert. Dieses Bild erinnerte an die Hölle, weshalb der Pass seinen Namen erhalten hat.

 

Heute steht am Hellfire Pass ein Denkmal. Zudem ist es möglich, eine Wanderung auf einem Teil der Strecke zu machen. Da wir Bewegungsmangel haben, haben wir also die Turnschuhe montiert und uns mit extra Wasser eingedeckt. Für die Wanderung müssen wir uns anmelden und registrieren. Zudem wird nochmals überprüft, ob wir wirklich die richten Schuhe tragen und ob wir genügend Wasser dabei haben. Und um die Ausrüstung komplett zu machen, erhalten wir ein Funkgerät. Nach kurzer Instruktion können wir aufbrechen. Wir fragen uns, auf was wir uns eingelassen haben, ziehen aber trotzdem los. Das Funkgerät verstauen wir sorgfältig, um ja keinen wichtigen Funkspruch zu verpassen.

 

Der Weg ist 5km weit, gut ausgeschildert und meistens eben. Trotzdem werden wir tatsächlich angefunkt, ob alles OK ist. Einmal mehr stellen wir fest, je touristenlastiger etwas ist, desto widersinniger sind die Regeln und Vorschriften.

Tigertempel

kein Ersatz für Büsi
kein Ersatz für Büsi

Eine weitere Station ist der Tigertempel. Obwohl es eine umstrittene Institution ist und es Gerüchte gibt, dass sich der Tempel mit seinen Tigern an illegalen Zuchtprogrammen beteiligt, haben wir uns entschieden, ihn zu besuchen. Es ist ein riesiges Gelände, vom Tempel sehen wir nichts. Doch wir sind wegen den Tigern hier und nicht wegen einem weiteren Tempel. Die Tiere liegen auf einem Platz, mit einer Halskette angebunden und von unzähligen Volontären und Aufpassern bewacht. Apathisch liegen die Tiere in der Sonne, anscheinend, weil sie soeben ihr Mittagessen bekommen haben und nun am verdauen sind. Einzeln werden wir an der Hand von einem Volontär zu den Tieren geführt, wo jeweils ein anderer Volontär Fotos mit mir und dem Tiger macht. Mein selbsternannter Fotograf kommt richtig in Schwung und drückt ununterbrochen ab, so dass am Schluss die Speicherkarte voll ist und ich etwa 200x das Sujet Karin mit Tiger habe. Ich bin etwas enttäuscht von dieser Touristenveranstaltung. Doch diese Enttäuschung ist wie weggeblasen, als wir zu einer Art Insel kommen, wo die Tiger miteinander am Spielen sind. Sie lauern sich auf, springen sich gegenseitig an oder schmusen auch mal miteinander. Völlig andere Tiere als diejenigen, die eben noch völlig teilnahmslos in der Sonne gelegen sind.

Kommunikation mit den Locals

Übernachtung mit Aussicht
Übernachtung mit Aussicht

Unser nächster Übernachtungsplatz soll an einem Wasserfalls ein. Ein Wasserfall ist einfach zu finden, weil an der Strasse alle paar Meter ein Schild zu einem Wasserfall weist. Doch derzeit ist das Ende der Trockenzeit. Nach drei Wasserfällen, die nichts mehr mit Wasser zu tun haben sondern staubtrocken sind, ändern wir unseren Plan und fahren immer der Nase nach einen Berg hinauf. Auf der Passhöhe finden wir ein Haus und wir fragen, ob wir hier Chevy parken und schlafen dürfen. Ein junger Mann zeigt uns WC und Dusche und erklärt mir anhand eines Thermometers und der Datumsanzeige auf seinem Natel, dass es diese Nacht nur 22°C sein wird. So schnell habe ich seine Logik allerdings nicht verstanden, doch im Nachhinein ist alles klar. Datum 22. März, er zeigt auf 22 und dann auf den Thermometer und sagt Fahrenheit. Das dünkt mich dann doch sehr kalt und ich reime mir den Rest zusammen.

 

Auf diese Art kommunizieren wir häufig mit den Locals, mit Händen und Füssen und mithilfe von Gegenständen, die Wörter ersetzen, die wir nicht in der Landessprache können und die Locals selten in Englisch.

Chevy kocht

uups... Getriebeöl am Kochen
uups... Getriebeöl am Kochen

Nachdem wir in Bangkok unsere Visas abgeholt haben, fahren wir Richtung Norden und landen nach drei Tagen in Chiang Mai. Wir haben nicht den direkten Weg über die Autobahn gewählt sondern sind der Grenze zu Myanmar entlang über Berg und Tal gefahren. Dabei haben die Strassen eine enorme Steigung, so dass Chevy an seine Grenzen gekommen ist.

 

Mäse benutzt die Zeit in Chiang Mai dazu, einen zusätzlichen Kühler einzubauen und ich streune durch die Stadt. Wir rechnen damit, eine Woche hier zu sein, da wir in Chiang Mai das chinesische Visum beantragen. Doch statt den üblichen vier Tagen Bearbeitungszeit dauert es acht Tage, da wir mitten in irgendwelchen Feiertagen gelandet sind. Das passt uns gar nicht, da unsere Thailandvisas bis dann ablaufen und so zahlen wir den Expresszuschlag und können die Visas dafür bereits am nächsten Tag abholen.

Schweizer Küche in Thailands Norden

schöne Osterbescherung
schöne Osterbescherung

Chevy ist in der Zwischenzeit mit einem zweiten Kühler ausgerüstet und so fahren wir ab nach Pai. Die Strasse geht auch dieses Mal enorm steil hinauf um im nächsten Moment ebenso steil wieder herabzuführen. Doch der zusätzliche Kühler nützt und Chevy kocht nicht mehr. Wir fahren nach Koordinaten zu einem Guesthouse ohne zu wissen, dass es unter Schweizer Leitung steht. Völlig unkompliziert werden wir begrüsst und können uns mit dem einzigen anderen Gast direkt an den Znachttisch zu Härdöpfelsalat mit Fleischkäse setzen. Die nächsten Tage zeichnen sich alle durch solche Heimwehmenus aus und wir haben es enorm genossen, nach so langer Zeit echte Schweizer Küche zu schmausen. Das Tüpfelchen auf dem I sind dann aber die Schoggieili vom Migros, die Carmina uns an Ostern auftischt. Sie schmecken doppelt so gut wie zuhause. Vielen Dank!

Ausbildung zum Elefantenflüsterer

Umarmung vom Riesen
Umarmung vom Riesen

Hauptsächlich sind wir aber in Pai, um einen Mahoutkurs zu machen. Bereits bei der Buchung erhalten wir das Elefanten-Voci. Bis es losgeht am nächsten Tag haben wir alles auswendig gelernt und sind gerüstet. Das wichtigste Wort ist Bai!!!! um den Elefanten zum Laufen zu bringen. Das schönste ist Goood. Damit umarmt mich der Elefant mit seinem Rüssel. Goood funktioniert übrigens auch bei Mäse. Nur dass er keine Bananen dafür verlangt.

ohne Worte...;-)
ohne Worte...;-)

Kaum sind wir bei den Elefanten angekommen, geht es los. Wir füttern die Elefanten und ich probiere unzählige Male Goood aus. Schon speziell von einem Elefanten umarmt zu werden. Das Hinaufklettern ist schon schwieriger. So ein Elefant ist enorm hoch. Er bietet mir zwar sein Bein an, aber damit sitze ich noch lange nicht oben. Ich getraue mich zu Beginn gar nicht, mich an seinem Ohr festzuhalten und hinaufzuziehen. Doch es scheint ihn nicht zu stören und so sitze ich irgendwann in seinem Nacken. Hier oben fühle ich mich nicht sehr sicher. Mir fehlen Zügel oder irgendetwas, woran ich mich festhalten könnte. Schliesslich braucht der Elefant nur einmal seinen Kopf zu schütteln und ich fliege in hohem Bogen hinunter.

Mäse als Mahout
Mäse als Mahout

Doch ich habe einen lieben Elefanten erwischt, obwohl er oft stehen bleibt, so dass ich ihn hinter die Ohren treten und Bei!!! schreien muss. Manchmal läuft er dann weiter, manchmal nicht. Bis ein Elefant wirklich auf seinen Mahout hört, vergehen Monate. Wir gehen zum Fluss, wo der Elefant mit uns auf dem Rücken unter Wasser liegt. Er schüttelt uns mit Leichtigkeit ab und mehrere Male landen wir im Flusswasser. Es ist super, einem Elefanten so nahe zu sein und unglaublich, wie sanft sie trotz ihrer gewaltigen Kraft mit uns umgehen.

Elefant ins Bett bringen

Elefantengras schneiden
Elefantengras schneiden

Am späteren Nachmittag ziehen wir los, um Elefantengras zu schneiden. Die Männer schneiden das Gras mit einer Sense und wir zwei Frauen laden es auf die Ladefläche des Pickups. Mäse geniesst es, mal wieder körperlich zu arbeiten und hängt sich voll in seine Aufgabe. Als die Ladefläche bis zum Überlaufen voll ist, fahren wir zurück. Ein Elefant frisst 250kg pro Tag. Wenn er also nicht schläft, frisst er. Zurück bei unserem Elefanten, bringen wir ihn ins Bett. Dazu führen wir ihn in den nahen Wald, wo er an einem Baumstamm angebunden wird. In Reichweite ein grosser Berg Elefantengras, über den er sich sofort hermacht.

Kurztrip nach Myanmar

Grenze zu Myanmar
Grenze zu Myanmar

Unser Visum für Thailand läuft in einigen Tagen ab. Deshalb müssen wir uns von diesem friedlichen Platz losreissen und fahren nach Chiang Rai. Die Grenze zu Myanmar ist von hier aus ganz nah. Um das Thaivisum zu verlängern benützen viele die Möglichkeit, einen Ausflug nach Myanmar zu machen und bei der Wiedereinreise nach Thailand ein neues 15- Tagesvisum zu erhalten. Von dieser Möglichkeit machen wir Gebrauch. Chevy lassen wir in Thailand stehen und reisen zu Fuss aus Thailand. Über eine Brücke kommen wir nach Myanmar. Dort müssen wir je 500 Baht bezahlen und erhalten einen Ausweis mit Foto. Unsere Pässe müssen wir an der Grenze zurücklassen. Mit diesem Ausweis können wir uns nur im erlaubten Gebiet aufhalten. Wir bummeln durch den Markt. Mäse werden sofort blaue Pillen angeboten, die er entrüstet ablehnt. Es gibt auf diesem Markt dasselbe wie auf thailändischen Märkten und erst noch zum selben Preis. Bezahlen können wir alles in Baht. Um einen Eindruck von Myanmar zu erhalten ist dieser Ort völlig ungeeignet. Doch unser Ziel ist es, unseren Aufenthalt in Thailand um weitere 15 Tage zu verlängern. Der neue Stempel im Pass bei der erneuten Einreise in Thailand erlaubt uns dies.

Beliebtes Opfer: Farang

Chevy bleibt nicht verschont
Chevy bleibt nicht verschont

Während den nächsten Tagen ist Neues Jahr, das hier Songkran heisst. Thais in jedem Alter stehen mit Eimern bewaffnet am Strassenrand und spritzen alles an, was sich bewegt. Auf der Ladefläche von Pickups sitzen ganze Gruppen, zwischen ihnen eine grosse Tonne voll Wasser und sie spritzen ebenfalls jeden an, der sich auf der Strasse befindet. Kreuzen sich zwei Pickups, artet das ganze in wilde Wasserschlachten aus.

 

Wir kommen nicht weit, bevor wir das erste Mal angespritzt werden. Zwar glaube ich jeweils ein kurzes Zögern zu erkennen, ob der Farang als Opfer erlaubt ist. Doch wir sind im Grunde ganz froh über die Abkühlung und lassen uns gerne nass machen. Nur das Seifenkreidegemisch im Gesicht finde ich nicht sehr angenehm. Um unsere Einkäufe zu erledigen, müssen wir das ganze Dorf durchqueren bis zum Markt und sind ein beliebtes Opfer. Auf dem Rückweg werden wir ungläubig angeschaut, mein rechter Arm ist weiss von diesem Seifenkreidegemisch, das ganze Gesicht fühlt sich eingepappt an und wir ziehen eine nasse Spur hinter uns her.

Chevy schon wieder krank

Chevy in Thaihänden
Chevy in Thaihänden

Chevy ächzt mal wieder und eine Untersuchung von Mäse bringt zutage, dass sich die Schwingungsdämpfer der Blattfederlager aufgelöst haben und jetzt Metall auf Metall reibt, was dieses unangenehme Ächzen verursacht. Wir brauchen also neue Gummis für die Federn und müssen deshalb einen Umweg von 70km fahren um in die nächste grössere Stadt zu kommen. In der dritten Garage haben wir Glück und finden endlich jemanden, der gewillt ist, etwas zu basteln. Nach vier Stunden sind alle Gummis ausgetauscht und das Ächzen ist verschwunden. Es ist immer wieder beruhigend, nach einem Reparaturtag den Erfolg zu sehen und zu wissen, dass Mäse die richtige Stelle identifiziert hat.

 

Wir fahren also mit einem ächzfreien Chevy zurück Richtung Norden zur laotischen Grenze. Die letzten 14 Tage verbringen wir in Laos, bevor wir unsere Heimreise unter die Räder nehmen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Gaby (Montag, 23 April 2012 15:54)

    Hallöchen ihr zwei Abentürer, wauw, jetzt überträffeder eu aber mit em Itrag und dä neue Erläbnis !!!!!Dä arm Chevy, wird sicher glücklich si, wänner ä mal wieder usspanne cha und sini "wehwehli" uskuriere. Das mitem Elefanteritte muess bestimmt dä Hammer si, nume hät ich ä chli Angst will die liebä Elefante so höch sind. Au en Tiger ä mal hutnah z'gseh muess traumhaft si. Also ihr gsend, ich benide eu ä mal wieder ganz gewaltig !!!! Passed guet uf eu uf und gueti Fahrt. Liebs Grüessli us Cape Town und bis zum nächschte Mal. Gaby

  • #2

    Anjes (Dienstag, 24 April 2012 18:54)

    Liebe Karin, lieber Marcel,
    so viele tolle Fotos! Danke sehr! Ich staune und freue mich mit euch. Geschmunzelt habe ich besonders, als ich den alten Schlafsack mit den Blumen wieder erkannte. Ich hätte nie gedacht damals als ich ihn kaufte, dass er einmal auf Weltreise gehen würde! Viele gute Wünsche auf eure Weiterfahrt von
    Mami

7. September 2012

Gleich zwei neue Blogbeiträge über unsere letzten Abenteuer und unsere Heimkehr sind online sowie die Fotos dazu.

 

4. September 2012

Übernachtungsplätze ab Kasachstan bis nach Deutschland sind online. 

 

4. September 2012

Unsere visuelle Route ist vollendet und zeigt die letzten Stationen auf unserer 14-monatigen Reise.