Zoologie in Borneo

Meine Sorge, mitten in Bangkok für zwei Wochen einen sicheren Platz für Chevy zu finden, ist völlig unbegründet. Am Schluss unserer Suche haben wir sogar zwei Optionen. Wir entscheiden uns für den Hotelparkplatz. Hier habe ich ein gutes Gefühl, dass das Auto sicher steht, so dass ich mir nicht ständig Gedanken um seine Sicherheit machen muss.

 

Am nächsten Morgen müssen wir früh aufstehen. Endlich gehen unsere Ferien vom Reisen los. Bereits morgens um 7.00h ist es 31°C in Bangkok. So gern ich heiss habe, nach 9 Monaten Hitze habe ich langsam genug. Die Taxifahrt zum Flughafen ist recht abenteuerlich. Der Fahrer scheint eine Nachtschicht hinter sich zu haben. Er gibt Gas, nur um im nächsten Moment wie verrückt zu bremsen. So verpasst er fast die Abzweigung zum Flughafen. Ich befürchte schon, dass wir wegen ihm unseren Flug verpassen. Doch wir haben mehr als genug Zeit. Ich bin wohl einfach ein bisschen nervös, weil ich mich schon so lange auf diese Zeit in Borneo freue.

Malayische Hochzeit

In Borneo müssen wir eine Nacht in Tawau verbringen, bevor wir am nächsten Morgen abgeholt und in unser Resort gebracht werden. Für die nächsten fünf Tage lassen wir uns chauffieren und kümmern uns um nichts. In Tawau selber ist wenig los. Per Zufall finden wir aber ein Restaurant, das uns etwas zum Abend essen serviert. Im Restaurant nebenan hören wir laute Musik und wollen dort für einen Dessert vorbeischauen. Aber wir platzen mitten in eine Hochzeit hinein. Obwohl wir sofort umkehren wollen, um das Fest nicht zu stören, werden wir hinein gewunken und auf direktem Weg zum Buffet geschickt. Für kurze Zeit sind wir neben dem Brautpaar der Mittelpunkt. Natürlich müssen wir uns mit dem Brautpaar fotografieren lassen. Sie sitzen in einem Pavillon auf einem weissen Sofa. Die Braut hat traditionsgemäss ein Hochzeitskleid in Rot an. Die Deko besteht aus roten Rosen. Der Pavillon ist sehr schön und aufwendig dekoriert. Der Rest besteht aus zwei runden Tischen mit Stühlen, die mit Hussen überzogen sind und ganz viel Plastikstühlen, auf denen die Gäste ihren Teller auf den Knie halten und essen. Es gibt eine Karaokeanlage, an der sehr gute und weniger schöne Stücke gesungen werden. Same same but different beschreibt es wohl am besten.

Kapalai Resort
Kapalai Resort

Der Transport in unser Resort klappt wunderbar. Nach 9 Monaten selber organisieren, im Chevy oder in Guesthäusern hausen, geniessen wir es, mit einem Willkommensdrink begrüsst zu werden und uns einfach treiben zu lassen. Kaum angekommen, geht es sofort los zum Check-Dive. Bevor wir’s uns versehen, stecken wir im Tauchanzug und sind unter Wasser. Die nächsten fünf Tage spielen sich vor allem unter Wasser ab. Wir machen drei bis vier Tauchgänge täglich. Der Höhepunkt sind die Sipadan Inseln. Sie gelten als Tauchermekka und das nicht zu unrecht, wie wir feststellen. Hier fallen Steilwände bis zu 2000m unter Wasser und locken Schildkröten, Haie und unzählige Grossfische an.

Tauchen bei Sipadan

Hauptsache Tauchen
Hauptsache Tauchen

Als wir morgens um halb 5 zu den Sipadan Inseln losfahren, regnet es. Das kann unsere Laune aber nicht trüben, nass werden wir früher oder später sowieso. Wir müssen uns auf der Insel als Taucher registrieren bevor es losgehen kann. Es ist erst 6 Uhr und es regnet immer noch. Die Erlösung kommt, als wir endlich ins Wasser hüpfen. Es ist hier wärmer als an der Luft und nass werden hat auf einmal einen Sinn. Der erste Tauchgang ist jedoch sehr dunkel. So kleb ich mich einem Italiener mit Taschenlampe an die Flossen. Wir haben eine Videografin vom Resort dabei. “Dummerweise“ gehen Mäse und ich mit ihr beim zweiten Tauchgang verloren, als wir einen Hai anschauen und die übrigen einem Barrakudaschwarm nachschwimmen. Manchmal muss man sich blitzschnell entscheiden, ob man lieber die Schildkröte, den Cuttlefish oder den Hai bestaunen möchte. Ein Highlight jagt das andere und jedes Mal wenn ich denke „Wow, das ist der absolute Oberhammer“, kommt hinter dem nächsten Korallenriff eine noch schönere Szene.

Mann der Wälder

Orang Utan in Sepilok
Orang Utan in Sepilok

Nach fünf Tagen Dasein als Fisch tauchen wir endgültig wieder auf und kehren in die Zivilisation zurück. Die Zeit in diesem vornehmen Resort war schön, aber uns dürstet es nach neuen Abenteuern. Wieder auf uns gestellt, müssen wir ein Frühstück besorgen. An einem Markt finden wir Bananen. Ich verstehe, dass eine Banane 1 Ringgit kostet und gebe der Markfrau 10 RM. Ich finde es recht seltsam, dass mich die Marktfrau ungläubig anguckt. Sie gibt uns dann drei Bund Bananen und 7 RM Retourgeld. Und jetzt merke auch ich, dass ein ganzer Bund Bananen 1 RM kostet. Wir haben nun also 30 Bananen im Gepäck, was nicht wirklich zu einem abwechslungsreichen Frühstück beiträgt.

 

Wir fahren nach Sepilok, wo sich eines von vier Rehabilitationszentren für Orang Utans weltweit befindet. Zwei Mal täglich werden die Orang Utans bei einer Plattform gefüttert. Den restlichen Tag sind die Tiere frei im Wald. Es handelt sich dabei um Tiere, die verwaist oder verletzt aufgefunden worden sind und nun gepflegt und auf ihre Auswilderung vorbereitet werden. Es besteht keine Garantie, dass zu den Fütterungszeiten überhaupt ein Orang Utan erscheint.

nasser Tropf
nasser Tropf

Im strömenden Regen stehen wir also auf der Plattform und warten. Wir haben Glück, es kommen zwei Tiere, die sich die Hände schützend über den Kopf halten. Einer schnappt sich eine Banane und verkriecht sich unter die Plattform und der zweite kauert bewegungslos nahe an einem Baumstamm. Nach 10min verschwindet die Masse und wir bleiben mit drei anderen Personen alleine zurück. Lange ist nur das Prasseln der Regentropfen zu hören. Auf einmal kommen nochmals zwei Orang Utans aus dem Wald. Sie setzen sich an den Fütterungstrog und beginnen zu fressen. Irgendwann verschwinden aber auch diese beiden und wir machen einen Abstecher zum nahen Rainforest Discovery Center.

der Mann der Wälder
der Mann der Wälder

Am Nachmittag steht die zweite Fütterung an. Der Regen hat in der Zwischenzeit nachgelassen und so stehen viel mehr Leute als am Morgen auf der Plattform. Dafür kommen auch viel mehr Orang Utans aus dem Wald. Ebenfalls anwesend sind Makaken. Sie sind im Gegensatz zu den Orang Utans gar nicht scheu und stolzieren auf dem Geländer herum. Wir machen uns einen Spass daraus, die erschreckte Reaktion der Leute zu beobachten, wenn sich ihnen unbemerkt ein Makake nähert. Doch eigentlich sind wir nochmals wegen den Orang Utans hier. Ohne Regen gefällt es ihnen sichtlich besser und sie turnen den Seilen entlang, dass wir nicht wissen, wohin wir schauen sollen. Mit Leichtigkeit hangeln sie sich vorwärts und stoppen in der Mitte des Seils, halten sich mit allen vieren fest, so dass wir vom blossen Zuschauen fast eine Zerrung bekommen. Wir sind fasziniert von der Grösse und der Stärke dieser Tiere. Ein Orang Utan ist viermal stärker als ein durchschnittlicher Mensch.

Flussleben

Sungai Kinabatangan
Sungai Kinabatangan

Die letzten zwei Tage unseres Aufenthalts in Borneo verbringen wir im Dschungel beim Sungai Kinabatangan. Dieser Fluss ist mit einer Länge 560km der längste Strom von Sabah. Sein braunes Wasser windet sich durch Dschungel, wir mittendrin in einem Holzboot mit einem Führer, der einen Käfer aus 100m Entfernung an einem Baumstamm aufspürt – zumindest kommt es mir so vor.

Nasenaffe
Nasenaffe

Sobald wir losgefahren sind, entdecken wir Nasenaffen in den Bäumen. Sie haben eine völlig unpraktische Hängenase, die sie zum Fressen anheben müssen. Die Weibchen stehen aber auf die Hängenase, je länger die Nase, desto attraktiver das Männchen. Auf einmal Aufregung, ein Orang Utan sitzt weit oben in einer Baumkrone. Er ist zu erahnen. Zum Glück haben wir vor kurzen Orang Utan von nahem gesehen, so können wir das weit entfernte Bild mit den gewonnenen Eindrücken ergänzen.

Borneo Zwergelefant
Borneo Zwergelefant

Bei der Weiterfahrt plötzlich eine Ansammlung von vielen Touristenbooten. Doch was macht unser Führer?! Er fährt an allen Booten vorbei. Ich habe vor lauter Booten gar nicht gesehen, was es denn Spannendes geben würde. Einige Meter nach allen Booten stoppt er und wenig später bricht eine Herde Elefanten vor unserer Nase aus dem Gebüsch. Sie sind so nahe, dass ich sie fast berühren könnte. Als wären wir nicht da fressen sie. Sogar ein Babyelefant ist dabei, der mit den grossen Grashalmen noch nicht zu Rande kommt und die steifen Dinger einfach nicht so richtig in sein Maul bringen will. Dank unserem Führer sehen wir dieses Schauspiel hautnah, ohne andere Touristenboote um uns herum. Ich bin überwältigt von diesen Elefanten. Das ist doch mal etwas anderes als die ewigen Vögel bei diesen Dschungelflusssafaris.

Zwergelefant mit Baby
Zwergelefant mit Baby

Der Borneo Elefant hat eine Schulterhöhe von nur 2.50m und ist damit kleiner als der asiatische Elefant. Obwohl er mit einer Population von 1000 – 1500 Tieren stark vom Aussterben bedroht ist, ist diese Art nach wie vor kaum erforscht. Erst 2003 haben Wissenschaftler mittels Genanalysen herausgefunden, dass es sich bei dieser Elefantenart um eine eigene Unterart handelt und nicht um Nachfahren früherer domestizierter Tiere. Eine Möglichkeit ist, dass die heutigen Zwergelefanten Nachfahren der Tiere sind, die nach der letzten Eiszeit vor 10000 Jahren auf Borneo festsassen, nachdem die Verbindung zum asiatischen Festland überflutet worden ist. Der Borneo Elefant kommt nur im Nordosten von Borneo vor.

Eisvogel
Eisvogel

Doch die Vögel lassen nicht lange auf sich warten. Bei der Nachtsafari treffen wir auf flauschige Kugeln. Ich kann sie im ersten Moment nicht einordnen. Diese Kugeln sitzen bewegungslos auf einem Ast im Schein der Taschenlampe. Erst beim Näherkommen erkenne ich in dieser Kugel einen Vogel. Etwas verschlafen zieht er den Kopf aus den Federn, fliegt aber geblendet vom Licht der Taschenlampe nicht fort. Mäse kann sogar seine Hand hinter einen Vogel schieben, ohne dass er sich bewegt. Nach einigen Vögeln und einer Eule kehren wir zurück.

 

Dies ist unser letzter Abstecher nach Malaysia gewesen. Wir kehren zurück nach Bangkok um Chevy aus seiner Zwangspause zu befreien und uns um die Visas für unsere Weiterreise zu kümmern.

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Kommentare: 4
  • #1

    Gaby (Sonntag, 08 April 2012 13:50)

    Hallöchen ihr zwei, zerscht au eu ganz schöni Ostertäge. Ich bin wie immer begeisteret vo eune Erläbnis und da ich ja absolute Elefante-Fan bin, chan ich mir so richtig vorstelle, wie schön das Bild vo dem chline Elefant muess gsi si. Ach ja, mit Räge chan ich au grad diene, präzis uf d'Ostere hät s'Wätter kehrt und es rägnet teilwies us Chüble und isch winterlich chalt. Tja, ich ha mir also "putzigi Ostere" verschriebe, denn dä Hansjörg isch gester uf Johannesburg los gfahre. So ihr liebä, ich wünsche eu ä tolli Wieterreis und hoffe, dass eui Chevy-Giraffe ganz unversehrt uf eu wartet. Ganz liebi Grüessli Gaby

  • #2

    Diana (Sonntag, 08 April 2012 17:00)

    I wünsche eu ganz schöni Ostere!
    Wenn mer eue Blog liist, hät mer s'Gfühl, ihr wänd gar nie meh zrugg cho! :-)
    Gueti Wiiterreis und wiiterhin schöni Idrück!

  • #3

    Maem (Sonntag, 08 April 2012 18:10)

    Hallo Ihr Liebe
    Au uf dem Wäge namal herzlichi Ostergrüess. Eue Blogirag liesst sich wider mit grossem Vergnüege und mer chan so richtig mit eu mitlebe. Am beste gfallt mir natürlich d'Elefanteszene will ich mich ja bi eusne Ferie i de südafrikanische Nationalpärk jewils fast nöd han chönne trenne vo de Elefante wo mit ihrne ganze Familie umeziend.
    Witer gueti Reis und vil spannendi Idrück!
    Liebi Grüess Maem

  • #4

    Susanne (Montag, 16 April 2012 01:58)

    Also ich han scho gad chli müesse vor mich hi lache wäg dä Banane. Typisch ihr zwei, ich gsehn dä Karin ihres Gsicht mit me Lache bildlich vor mir. Was händer au gmacht mit 30 Stück? Haha, ich muen immer na lache!!!
    Es isch wie immer en super gschriebne Blog mit schöne Bilder.
    Wiiterhin ganz viel Spass, ich freu mich uf dä nächsti Blog;-)
    Drucke eui ganz ganz fest, wo au immer ihr grad sind.
    Big Beso Su-Schwösi

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