Alles hat ein Ende

Petronas Tower von Kuala Lumpur
Petronas Tower von Kuala Lumpur

Die gute Neuigkeit zuerst. Wir sind seit einer Woche in Malaysia. Hier gefällt es uns sehr gut. In einigen Tagen sollte auch Chevy seine Reise über das Meer beendet haben und in Port Klang, dem Hafen von Kuala Lumpur eintreffen. Dann können wir endlich wieder durchstarten.

 

Vielleicht möchten einige von euch trotzdem wissen, wie die Getriebegeschichte zu Ende ging und wir ausgereist sind? Dann weiterlesen. Ansonsten kommt bald ein neuer Blogeintrag über unsere ersten Eindrücke von Malaysia.

Das Getriebe - unser Sorgenkind
Das Getriebe - unser Sorgenkind

Über die Schweiz erhalten wir häppchenweise mitgeteilt, dass die Originalpapiere unserer Lieferung auf dem Flug von New York nach Amsterdam verloren gegangen sind. Da die Originalpapiere aber unbedingt notwendig sind, damit das Paket weiterbefördert wird, müssen sie aus den USA nachgeliefert werden, bevor das Paket nach Delhi weitergeleitet wird. Da in den USA aber Halloween war, haben nur wenige gearbeitet und unser Paket ist eine Woche in Amsterdam gestanden, bis die Originale eingetroffen sind.

 

Einen Tag nach dem letzten Blogeintrag erhalten wir aber die Nachricht, dass die Lieferung nun endlich in Delhi eingetroffen ist zusammen mit Angaben, was wir alles liefern müssen, damit das Paket verzollt werden kann. Von Importnummern und Road Permit ist die Rede, dreiseitige Checklisten mit unverständlichen Abkürzungen, die wir ausfüllen sollen. Wir verstehen nicht viel von diesen Fachausdrücken und sitzen einen Tag später bei DHL im Büro. Wir erklären unserer DHL Kontaktperson, dass dieses Getriebe für ein Auto ist, das mit einem Carnet eingeführt worden ist und wir es innerhalb der nächsten zwei Wochen wieder ausführen werden und wir deshalb der Meinung sind, keine Zollkosten bezahlen zu müssen. Trotzdem kommt am Abend eine Rechnung für Zollkosten über mehrere Hundert Dollar. Wir akzeptieren diese Rechnung natürlich nicht und sitzen am nächsten Tag beim Vorgesetzten im Büro. Der teilt uns mit, die Zollkosten müssten bezahlt werden, da das Getriebe nicht mit einem Carnet eingeführt worden sei. Er rät uns davon ab mit dem Zoll zu verhandeln, da wir zusätzlich zu den Zollkosten höchstens eine Strafe in derselben Höhe riskieren, weil wir keine indische Importnummer haben. Ich empfinde seine Worte als Drohung und würde am liebsten beim Zöllner ins Büro marschieren um das selber abzuklären. Mäse fasst seine Worte aber als Ratschlag auf und wir bezahlen die Zollgebühr. Schliesslich wollen wir das Getriebe so schnell wie möglich erhalten. Auf einmal heisst es dann, das Paket sie nicht mehr am selben Abend verzollt, sondern so schnell wie möglich. Bei mir schrillen alle Alarmglocken. Wir vereinbaren mit DHL, dass wir die Papiere am selben Abend abholen können, damit wir am nächsten Morgen früh unser Paket aus dem Zolllager bringen. Da es erst früher Nachmittag ist, gehen wir in die Stadt um Getriebeöl zu suchen.

 

Kurz vor dem vereinbarten Termin am Abend ruft uns unsere Kontaktperson bei DHL an und sagt uns, er sei nicht mehr im Büro und das Lager erst am nächsten Tag gegen Mittag geöffnet. Mäse versteht die Welt nicht mehr, bekommt einen mittleren Tobsuchtsanfall, steigt aus dem Taxi aus und schickt ein paar ziemlich wüste Schimpfwörter in die Umlaufbahn. Unterdessen führe ich das Gespräch weiter. Immerhin bringe ich in Erfahrung, dass das Lager zwar erst Morgen Mittag geöffnet ist, aber jetzt noch offen ist. Es braucht ziemlich harte Worte aber zum Schluss habe ich eine Telefonnummer und den Namen eines Typen, der im Lager sitzt. Wir organisieren ein neues Taxi mit einem genug grossen Kofferraum und fahren los. Tatsächlich finden wir diesen Typen.

 

Er sitzt in einem eiskalten Lagerraum mit zwei anderen, die gerade auf einem DHL Paket ihren Znacht verspeisen. Es stellt sich heraus, dass unser Paket nicht hier ist. Nach zwei Stunden Warten und vielen Ausflüchten, dass das Paket in 10min da sei, verliere ich die Geduld ein zweites Mal heute. Und siehe da, es kommt Bewegung in die Geschichte. Der Lagertyp setzt sich mit uns in unser Taxi und wir fahren zum Cargoterminal vom Flughafen. Dort warten wir vor dem Tor. Irgendwann kommt ein Lastwagen heraus und stoppt im Dunkeln. Das Taxi mit uns hintennach. Die Ladeklappe öffnet sich und da liegt unser Getriebe. Wir laden es ins Taxi um und fahren zurück ins Hotel. Es ist in der Zwischenzeit 23.00h. Von unterwegs reservieren wir ein Taxi für den nächsten Morgen, das uns mitsamt Getriebe nach Jaipur bringt. 

 

Am nächsten Morgen packen wir unser Getriebe in den Kofferraum des Taxis. Es passt genau und dürfte keinen cm länger sein.

Es passt....
Es passt....

Innerhalb von 6h sind wir in Jaipur bei der Chevygarage, wo wir Chevy vor einem Monat deponiert haben. Es geht ihm soweit gut, ausser dass er mit Farbspritzer übersät ist. Jemand hat die Wand neu gestrichen und ist nicht auf die Idee gekommen, das Auto abzudecken.

 

Nach einem Höflichkeitsbesuch beim Garagenbesitzer legen wir los. Das neue Getriebe passt und ist mit Hilfe eines Inders erstaunlich schnell festgeschraubt. Ich zähle bereits wieder die Tage, bis wir ausreisen können.

"unsere" Chevygarage in Jaipur
"unsere" Chevygarage in Jaipur

Am nächsten Tag muss das neue Getriebe verkabelt, Schrauben und Gelenke poliert, Auspuff und Kardanwelle wieder montiert werden. Gegen Abend der grosse Moment, wir starten für eine Testfahrt. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Chevy schnurrt wie eine junge Katze und läuft besser als jemals zuvor.

 

Wir verabschieden uns von allen in dieser Garage. Sie war ein Geschenk vom Himmel. Ohne sie und der grosszügigen Unterstützung durch den Garagenbesitzer wäre der ganze Getriebeaustausch nochmals um ein Vielfaches erschwert worden.

auch so können indische Strassen aussehen
auch so können indische Strassen aussehen

Am nächsten Morgen früh fahren wir ab. Endlich haben wir unser Schicksal wieder selber in den Händen und kommen vorwärts. Und wir haben beide nur ein Ziel: Chennai in Südindien um das Auto zu verschiffen, eine Strecke von 2500km. Mäse fährt 12h täglich und wir schaffen jeweils 500 – 600km. Beim Eindunkeln suchen wir uns einen Lastwagenparkplatz zum Übernachten, essen schnell etwas im Restaurant und gehen ins Bett. Am nächsten Morgen in der Dämmerung fahren wir weiter.

 

Am Dienstagabend nach vier Tagen Fahrt dann ein Schreckmoment. Die Batterie lädt sich nicht mehr beim Fahren. Sofort steuern wir eine Tankstelle an und stecken den Chevy an den Strom. Ich flippe fast aus und kann nicht abschätzen, wie schlimm dieses Problem ist. Steht uns eine zweite Getriebegeschichte bevor oder ist es diesmal einfacher?

 

Nach einer Nacht am Strom ist der Zustand der Batterie fast gut und wir fahren los ohne zu wissen, wie weit wir kommen werden bis die Batterie von neuem geladen werden muss. Zum Glück ist die Strasse gut, so dass wir konstant 70km/h fahren können ohne gross bremsen zu müssen. Erst als wir in Chennai einfahren und der Stadtverkehr mit dem ewigen Stop and Go beginnt, können wir zuschauen wie sich der Zeiger der Batterie gegen das Minimum bewegt. An der nächsten Tankstelle halten wir an und hängen den Chevy wieder an den Strom. Wir haben nun ein richtiges Elektromobil…

 

Nach 1 1/2h scheint die Batterie soweit geladen, dass wir es bis zum Büro von Skylark Cargo schaffen sollten, das die Verschiffung von Chevy nach Malaysia organisieren soll. Ich habe seit längerem mit Renuka von dieser Firma Kontakt und einen sehr guten Eindruck von ihr. Um keine unnötigen Kilometer zu machen, heuern wir einen Rischkafahrer an, der uns vorausfährt und uns auf direktem Weg zu Renuka bringt. Sie begutachtet den Chevy und schlägt uns einen Open Top Container vor, einen Container ohne Dach, da Chevy zu hoch ist, um ihn in einen normalen Container zu stellen.

Als nächstes nehmen wir das Problem mit der Batterie in Angriff. Mäse baut den Alternator aus und wir fragen uns durch und finden eine Hinterhofgarage. Dort wird der Alternator von einem jungen Mann auseinander genommen, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Schnell stellt er fest, dass wie Mäse vermutet hat, der Regler kaputt ist und nur noch unvollständig Strom sendet. Bis zum nächsten Abend sei das repariert. Ich bin beruhigt, es scheint dieses Mal etwas Einfaches zu sein.

 

Am nächsten Morgen steht uns der Postenlauf im Custom House bevor. Inzwischen kennen wir solche Einrichtungen und sind nicht mehr erstaunt über die dreckigen Büros, vollgestopft mit Akten, die langsam vor sich hinschimmeln. Zum Glück weiss Renuka genau, was zu tun ist und in welchem Büro sie die nötige Unterschrift erhält. Nach nur einem Tag haben wir alle Unterschriften zusammen. Renuka ist zuversichtlich, dass wir das Auto am nächsten Tag dem Zoll vorführen können und es nachher in den Container bringen und wir ausreisen können. Voller Freude kehren wir ins Hotel zurück. Mäse kümmert sich um den reparierten Alternator und ich buche einen Flug nach Kuala Lumpur. Endlich! Auf dieses Flugticket freue ich mich schon seit langem.

als Abschluss ein schöner Übernachtungsplatz
als Abschluss ein schöner Übernachtungsplatz

Freitagmorgen, wir sind eine Stunde zu früh beim Lagerhaus und erwarten Renuka und den Zöllner, der unser Auto anschauen soll, bevor es in den Container kommt. Nachdem die beiden bereits eine Stunde überfällig sind, taucht Renuka alleine auf. Der Zöllner hat heute anscheinend keine Lust zu arbeiten und ist nicht in seinem Büro erschienen. Das heisst, wir können das Auto heute nicht in den Container stellen und wir müssen bis Montag warten. Irgendwie habe ich mit so etwas fast gerechnet. Das ganze ist so gut gelaufen, zu gut für Indien. Dumm ist nur, dass wir unsere Flugtickets haben und die nicht erstattbar sind. Renuka lässt ihre Kontakte spielen und kurz darauf sitzen wir bei Air Malaysia im klimatisierten topmodernen Büro, wo unsere Tickets kostenfrei umgebucht werden. Abflugsdatum: Mein Geburtstag! Ein besseres Geschenk kann mir Indien gar nicht machen. Wir haben jetzt also nochmals ein Wochenende, das wir herumbringen müssen.

 

Nach einigen Überredungskünsten bringe ich Mäse dazu, dass wir die 70 Kilometer gegen Süden nach Mamallapuram fahren, wo wir uns einen einsamen Platz am Strand suchen. Hier haben wir unseren Frieden. Wahrscheinlich sollte es so sein, dass wir die letzten zwei Tage am Strand verbringen, um uns mit diesem Land auszusöhnen.

Chevy fährt Cabriolet
Chevy fährt Cabriolet

Am Montagmorgen soll endlich der grosse Tag sein. Wir wissen ja bereits, wo das Warehouse ist. Hier warten wir erneut einige Stunden. Ich werde langsam nervös, ob das an diesem Tag klappen wird. Endlich die erlösende Nachricht. Renuka ist mit einem Zöllner unterwegs. Der untersucht den Chevy und lässt sich von Mäse den Inhalt einiger Kästchen zeigen und befindet ihn nach 10min für gut zum Exportieren. Nach weiteren drei Stunden ist der Chevy im Container. Wir gehen auf direktem Weg zum Flughafen und freuen uns auf Malaysia.

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Kommentare: 11
  • #1

    Anjesmami (Montag, 19 Dezember 2011 15:27)

    hallo liebe kain lieber marcel
    ich schätze, dass ihr "alt und grau" geworden seid nach diesem mühsamen organisieren von allem:-).Ich wünsche euch schöne und erholsame weihnachtstage in der ferne und grüsse euch herzlich.(euch kann wohl fortan nicht mehr so schnell etwas erschüttern.)Viel Glück weiterhin...

  • #2

    Zimi (Montag, 19 Dezember 2011 16:18)

    Liebi Karin, liebe Mäse

    Vielen Dank für die immer sehr spannenden Blog Einträge. Ich hoffe euer Giraffe hält bis am Ende durch! Zu gönnen wäre es euch.

    Ich wünsche euch weiterhin viele schöne Momente und nur das Beste! Passt auf euch auf.

    Ein lieber Gruss von Noel, er ist am 30.11.11 auf die Welt gekommen! Es geht ihm und Andrea sehr gut, wir haben uns gut in unserem neuen zu Hause eingelebt und sind überglücklich! Schöni Wiänachte wünschet oi s'Zimis

  • #3

    Martin (Montag, 19 Dezember 2011 21:10)

    Ich druck eu de dumme das vo jetzt a alles klappet und s schlimmste hinder eu lah hend! danke eu das ich jetzt weiss das ich nie uf indie gange:-)
    bis bald, gnüssets und hebet eu sorg. schmatz martin

  • #4

    patrick geyer (Montag, 19 Dezember 2011 21:26)

    isch ja ungloublech die gschichte ha scho lang nüm sones spannends buch gläse vil glück euch zwöi grüessli patrick und karin

  • #5

    Gaby (Dienstag, 20 Dezember 2011 08:36)

    Tja, eimal muess es ja "obsi" gah und ich hoffe es isch jetzt dä Fall bi eu. Hoffentlich händ ihr meh Glück mit em Wätter in Malaysia, bi eus häts vor eme Jahr nume grägnet und nomal grägnet. Drum isch min Idruck vo Kuala Lumpur eher durzoge. Am luschtigschte isch für eus China Town gsi, was söll mer anders mache als shoppe wänns rägnet ????
    Also ihr zwei, hebet s'guet und ab jetzt nur no, tolli Erfahrige. Es ganz liebs Grüessli us Cape Town. Gaby

  • #6

    Enrico Rimann (Mittwoch, 21 Dezember 2011 16:30)

    Hey ihr zwei! Wünsche Euch frohi Weihnachte und dänn en guete Rutsch is 2012! Es chan ja nur besser wärde! Ihr bruched ja grad echli Nerve!
    Grüessli Enrico

  • #7

    Omi (Donnerstag, 22 Dezember 2011 15:30)

    Liebe Karin und Marcel,

    bestimmt wird das Christkind auf seiner `tour du monde` in allen Ländern dieser Welt seine Präsenz kundtun und ein verliebtes Paar auf seiner Hochzeitsreise beglücken! So werden die beiden Bekanntschaft mit Brauchtum und Gepflogenheiten schliessen und hoffentlich sind die Wünsche die man so hat, erfüllt worden. Während hier der Winter seine Aufwartung gemacht hat, liegt ihr wohl irgendwo an der Sonne und im warmen Sand und denkt nicht mehr allzu viel an die Pechsträhne der vergangenen Tage und Wochen. Ich wünsche euch auf alle Fälle die schönsten Festtage die man sich denken kann und viel Glück auf der Weiterreise!
    Merry Christmasand a happy new year mit allem drum und dran- ich denke an euch.

    Omi

  • #8

    Käthi (Freitag, 23 Dezember 2011 09:27)

    Meine Lieben
    Auf jeden Fall habt Ihr jetzt ein schönes Weihnachtsfest verdient... Ich schicke Euch Drahtseile (Nerven), Gummi (Pneu), Wachs (ev für ein Kerzli...), Zimt (-Stern) und nicht allzuviele Spitzbuben :-)
    Von Herzen einen extrem lieben Gruss aus der Schweiz. Käthi

  • #9

    Judith & JP (Dienstag, 03 Januar 2012 04:56)

    Uiuiui, habt ihr gesehen was da in Suedindien fuer ein Hudelwetter herrscht? Fazit: Es haette NOCH schlimmer kommen koennen! Wir schliessen uns einstimmig Martin an!
    Wir hoffen ihr habt das neue Jahr fest im Griff und wuenschen euch viel Glueck und 'e laessi Ziit' fuer eure weitere Reise. Es interessiert uns brennend, wie lange Chevy diesmal auf Hoher See war.... Wir freuen uns auf den naechsten Blogeintrag! Kisses, Toitoitoi & Druemalueberdschulteregspuckt fuers 2012!

  • #10

    Karsten (Donnerstag, 02 Februar 2012 19:47)

    Echt super, was man hier alles zu lesen bekommt. Wer einmal unter anderem dort in der Poststelle war, der weiß es zu schätzen, wie es hier bei uns so läuft. Da liegen doch teilweise Welten zwischen.

  • #11

    Isabella (Mittwoch, 07 März 2012 10:46)

    Da hast du bestimmt recht, aber die Erfahrungen muss man erst mal selbst sammeln, bevor es so richtig bei einem ankommt.

7. September 2012

Gleich zwei neue Blogbeiträge über unsere letzten Abenteuer und unsere Heimkehr sind online sowie die Fotos dazu.

 

4. September 2012

Übernachtungsplätze ab Kasachstan bis nach Deutschland sind online. 

 

4. September 2012

Unsere visuelle Route ist vollendet und zeigt die letzten Stationen auf unserer 14-monatigen Reise.