Abenteuer auf zwei Rädern

der ruhige Fluss trügt
der ruhige Fluss trügt

Unser Ausflug zum Wasserfall hat beim zweiten Versuch mehr Erfolg. Wo wir das Billett erhalten, wissen wir ja in der Zwischenzeit und auch den richtigen Zug erwischen wir auf Anhieb.

 

Gemäss unserem Reiseführer kann man sich am Bahnhof einen Jeep mieten für die halbstündige Fahrt zum Wasserfall, was etwa 800 Rupien (16 Franken) kosten sollte. Man gibt uns aber an, dass keine Jeeps fahren würden sondern nur Motorräder für 500 pro Person. Da wir eine Abzocke wittern, holen wir weitere Erkundigungen ein. Es stellt sich heraus, dass die Jeeps nicht fahren können, da sie zwei Mal den Fluss durchqueren müssten und das aufgrund des hohen Wasserstandes wegen dem Monsun nicht möglich ist. Die Motorräder könnten aber einen anderen Weg fahren, den die Jeeps nicht befahren könnten. Wir lernen ein Pärchen aus Deutschland kennen und die beiden haben genau das Gleiche herausgefunden.

nicht umfallen ist das Ziel
nicht umfallen ist das Ziel

Nachdem wir unsere beiden grossen Rucksäcke an einem sicheren Ort deponiert haben, machen wir uns also zu viert, jeder mit einem eigenen Motorrad und Fahrer, auf den Weg. Bereits nach dreihundert Meter beginnt das Abenteuer so richtig, denn wir biegen von der Strasse ab und es geht so steil bergauf, dass Mäses Motorrad zu wenig Kraft hat und er absteigen muss. Weiter geht es dem Schotterbett der Eisenbahnlinie entlang auf einem schmalen Fussweg. Dann heisst es plötzlich absteigen und zu Fuss das Bahntrassee überqueren. Die Motorradfahrer gelangen durch eine Unterführung, die einen halben Meter Wasser führt auf die andere Seite und nehmen uns wieder auf.

 

Warum wir während der Regenzeit mit Motorrädern unterwegs sind, merken wir sehr bald. Wir gelangen zum ersten Bach, den es zu überqueren gilt. Schuhe ausziehen und durch das knietiefe Wasser waten ist nur der Einstieg. Einige Bäche, tiefe Pfützen und Schlammlöcher später ist die Fahrt zu Ende, da der nächste Bach für die Töffs zu tief und somit unüberwindbar ist. Also geht es zu Fuss weiter. Diesmal aber mit den Schuhen an den Füssen durch den Bach, denn wir wollen nicht mit dem Laptop, den Fotokameras und unseren Pässen in unseren Rucksäcken stürzen und sprichwörtlich den Bach runter gehen. Nach 20 Minuten Fussmarsch erreichten wir endlich den 310 Meter hohen Wasserfall.

erster Blick auf die Dhudsagarfälle
erster Blick auf die Dhudsagarfälle

Gigantisch, wie die Wassermassen über mehrere Stufen in die Tiefe tosen. Bei diesem Anblick kommt uns der Rheinfall eher als Einsteigermodell vor, wenn er auch bestimmt mehr Wasser führt als dieser hier. Aber um den Wasserfall richtig sehen zu können, muss man natürlich nahe heran, denn durch den Dschungel und die Bäume kann man keine guten Fotos machen. Also steigen wir die rutschigen Steine hinunter zum Fluss und überqueren den ersten Seitenarm. Das Wasser wird bei jeder Durchquerung tiefer und die Strömung nimmt zu, so dass wir am Schluss bis zur Hüfte im Wasser stehen und uns von einem Führer zum anderen hangeln, die sich im Fluss als Stützen aufgestellt haben. Ich staune wie unsere Führer barfuss mehr Halt auf den rutschigen Steinen und in der starken Strömung haben als wir mit den Schuhen.

die beiden Entdecker am Ziel
die beiden Entdecker am Ziel

Nach einer kurzen Fotosession auf einer Insel in der Flussmitte treten wir den Rückweg an, da unser Führer befürchtet, das Wasser könnte ansteigen, da es angefangen hat zu regnen. Wieder zurück bei den Motorrädern müssen wir die Rückfahrt mit drei Motorrädern bewältigen, da eines den Geist aufgegeben hat. Unsere beiden deutschen Kollegen und ihr Fahrer müssen also zu dritt auf einem Motorrad fahren, was angesichts des Terrains vom Fahrer eine Meisterleistung abverlangt. Bei einer Bachdurchquerung kommt es dann aber doch wie es kommen muss und als der Fahrer mit Anlauf durch das Wasser rast, um die gegenüberliegende Böschung mit seiner schwer beladenen Maschine zu erklimmen, verliert das Vorderrad die Bodenhaftung und das Motorrad richtet sich auf. Da ich hinter ihnen fahre sehe ich wie die beiden Passagiere zu Boden purzeln und der Fahrer sich gerade noch unter dem umstürzenden Töff hervorretten kann. Gottseidank ist, abgesehen von ein paar Schürfungen, niemand verletzt und so erreichen wir nach einer anstrengenden Fahrt das Dorf.

 

Der Wasserfall hat uns sehr gefallen und beeindruckt, aber das grössere und bleibendere Erlebnis an diesem Tag ist definitiv der Weg dort hin.

Hubli, ein Verkehrsknotenpunkt
Hubli, ein Verkehrsknotenpunkt

Wir verabschieden uns von unseren deutschen Begleitern und besteigen den Zug nach Hubli. Dieser Ort ist eine Zwischenstation auf unserem Weg nach Hampi. Obwohl der Zug schon überfüllt ist, mosten wir uns mit unseren beiden grossen und zwei kleinen Rucksäcken auch noch hinein. Wir stellen uns bereits auf eine mehrstündige Fahrt im Gang stehend ein. Das ginge ja noch, wenn nicht die ganze Zeit ein Tee- oder Esswarenverkäufer vorbeikäme und sich an uns vorbeizwängen würde. Nach einiger Zeit kommt ein Mann zu mir und fragt ob wir sitzen möchten???? Er sagt, es habe weiter vorne im Wagen noch Platz und so finden wir uns kurz darauf in einem Abteil auf der Gepäckablage zwischen Einheimischen wieder. Man stelle sich ein Zugabteil vor mit zwei Sitzbänken vis à vis mit offiziell vier Sitzplätzen auf jeder Seite. Natürlich sitzen etwa doppelt so viele dort. Oberhalb befindet sich die Gepäckablage aber ich habe die wage Vermutung, dass der Ingenieur, der diesen Eisenbahnwagen geplant hatte, eher an eine weitere Sitzgelegenheit gedacht hatte, denn die Gepäckablage befindet sich nicht wie bei uns ca. 50cm unter der Decke, sondern zwischen der unteren Sitzbank und der Decke. Somit ist es problemlos möglich auf der „Gepäckablage“ zu sitzen, direkt unter den vier Deckenventilatoren. Natürlich muss man vorher die Schuhe ausziehen, sonst bröselt der Dreck den Daruntersitzenden direkt in das Essen. Und die Haare zusammenbinden ist ebenfalls von Vorteil, denn die vier Deckenventilatoren sind sehr nahe am Kopf. Zum Glück erklärt uns unser freundlicher Helfer auch noch, dass wir umsteigen müssten um nach Hubli zu gelangen. Nach zwei Stunden warten auf den Anschlusszug und weiteren eineinhalb auf dem Rucksack im Gang sitzend erreichen wir dann Hubli wo wir im Hotel ziemlich müde auf das Bett fallen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Gaby (Montag, 10 Oktober 2011 09:16)

    Hallöchen ihr Abentürer, schön wieder eue Bitrag läse z'chönne. Ihr chömed ja würkli vo eim Abentür zum nächschte und ich bewundere eu, was ihr alles mit mached um a eues Ziel z'cho !!!! Ich hät bestimmt nid soviel Muet und würd glaub glattwegs umchehre. Aber, ich gnüsses immer es bitzeli "däbi si" z'dörfe. Es liebs Grüessli us Cape Town Gaby

  • #2

    Gerbers (Donnerstag, 13 Oktober 2011 13:25)

    Hallo zäme!
    Geschter bim heifahre lauft doch voll am Radio s Lied "Top of the World", wo oii Band bim Hochzig als Schlusslied vo de Chile gsunge hät. Da hani grad wider a oi, oies schöne Hochzigsfäscht, a oii Reis dänkt und s Färnweh hät mi packt! Jede Wasserfall isch es Wunder, jede Tag vo oiere Reis es Privileg! Danke fürs Teile vo oine Erläbnis und wiiterhin gueti Fahrt: Thomas, Patricia und Eline

7. September 2012

Gleich zwei neue Blogbeiträge über unsere letzten Abenteuer und unsere Heimkehr sind online sowie die Fotos dazu.

 

4. September 2012

Übernachtungsplätze ab Kasachstan bis nach Deutschland sind online. 

 

4. September 2012

Unsere visuelle Route ist vollendet und zeigt die letzten Stationen auf unserer 14-monatigen Reise.