Namaste in Indien

Namaste
Namaste

Nachdem wir Chevy wie im letzten Blog erwähnt im Hafen von Dubai abgegeben haben, sind wir schnurstracks zum Flughafen gefahren und haben einen Flug nach Goa gebucht, wo wir um 03.30 Uhr auf dem winzigen Flughafen landen. Der Plan ist zum Bahnhof zu fahren und mit dem ersten Zug nach Colem zu reisen, wo sich der zweithöchste Wasserfall von Indien befindet. Also fahren wir mitten in der Nacht im Taxi in die nächste Stadt Margao und machen auf der 20minütigen Fahrt unsere ersten Erfahrungen mit dem indischen Strassenverkehr. Erstens herrscht Linksverkehr, zweitens ist Mäse froh zu merken, dass der Taxifahrer durch die von innen verstaubte Frontscheibe mehr zu sehen scheint als er und so die schwarzen Kühe, die in der Dunkelheit über die Strasse zotteln früher erkennt. Weiter befürchten wir aufgrund der hörbaren Geräusche nächstens die Hinterachse des Taxis zu verlieren und auf der blanken Karosserie über den Asphalt weiter zu schlitteln. Aber natürlich geht alles gut und wir müssen uns nach dem ganzen Luxus in Dubai einfach sehr schnell auf einen anderen Standard hier einstellen. 

Soviele Kühe - ein Traum für Mäse
Soviele Kühe - ein Traum für Mäse

Dies zeigt sich auch bei der Ankunft am Bahnhof. Bereits auf der Rampe zur Fussgängerüberführung über die Geleise liegen links und rechts Menschen auf dem blanken Beton und schlafen. Dieses Bild weckt anfänglich etwas Unbehagen in uns, da wir keine Ahnung haben, wie sicher die Gegend für uns ist. Schliesslich ist es dunkel und wir fallen als westliche Touristen mit unseren Rucksäcken sicher auf. Auf dem Bahnsteig bietet sich uns dasselbe Bild. Überall schlafende Menschen am Boden, überall Dreck, Abfall und auf den Schienen Kacke. Da wir keine Ahnung haben, wann der erste Zug fährt, bleibt uns nichts anderes übrig als zu warten und nachdem Mäse die Situation als unproblematisch für uns eingeschätzt hat, schläft auch er auf dem Boden liegend, während Karin um sich sperbert und das Gepäck bewacht. Als das Reservierungsbüro endlich öffnet, sind wir tatsächlich unter den ersten hundert, die es betreten. Nach langem Anstehen erfahren wir, dass wir zuerst ein Reservierungsformular ausfüllen müssten und dieses gäbe es am Schalter nebenan. Mit ausgefülltem Formular und leicht genervt (da ja kaum geschlafen – zumindest die eine) erfahren wir nach erneutem Anstehen, dass wir für die Fahrt nach Colem keine Reservation benötigten wie man uns im Auskunftsbüro gesagt hat. Wir könnten am Schalter im Erdgeschoss ein Ticket kaufen. Dort hören wir, dass der Zug um 8 Uhr abgefahren ist. Also entwickeln wir schnurstracks einen Plan B. Zu einem Strandtag in Goa ist schliesslich nichts einzuwenden.

Strandleben in Goa
Strandleben in Goa

Auf der Suche nach einem Bus oder Taxi werden wir von Motorradtaxifahrern angesprochen. Karin sitzt bereits auf dem Hintersitz des einen Töffs, der grosse Rucksack beim Fahrer auf der Lenkstange, während Mäse noch Bedenken hat und nicht schon am ersten Tag in Indien ohne Helm und den Flip-Flop an den Füssen mit dem Motorrad einen Umfall bauen will. Doch auch seine Bedenken lösen sich in Luft auf und wir brausen los Richtung Meer.

 

Da der Monsun gerade erst aufgehört hat und noch Nebensaison ist, gibt es praktisch keine Touristen. Ist ja super, denken wir uns, ohne zu ahnen, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Wir fallen auf wie zwei bunte Hunde. Und da es in der Nebensaison genau gleich viele Schmuckverkäuferinnen gibt aber heute offensichlich nur zwei Touristen, nämlich wir zwei, geht es nicht lange und wir sind umringt von Verkäuferinnen und urplötzlich ist unser ganzes Tüechli mit Fuss-, Arm- und Halsketten übersäht. Jede zückt nochmals ein Säcklein mit den noch schöneren, besseren oder günstigeren Sachen unter ihrem Saari hervor und wir müssen unsere ganzen Ausrede- und Abwimmelungskünste einsetzen, um sie wieder loszuwerden. Nachdem wir die Verkäuferinnen abgefertigt haben, geht es ans gestaffelte Baden. 

Ein typisches südindisches Essen
Ein typisches südindisches Essen

Es sind nur Inder im Wasser. Nur männliche Inder. Und diese ausschliesslich in Unterhosen. Damit sind keine Boxershorts gemeint, sondern diese umwerfenden Slips. Mäse mischt sich zuerst unter diese badende Meute, die sich in die Wellen wirft und offensichtlich ein Mordsgaudi hat.

 

In der Zwischenzeit ist Karin zum Fotostar aufgestiegen. Sie hat sich schon gefragt, ob sie etwas Falsches anhat oder sonst seltsam aussieht. Doch an dem kann es nicht liegen. Sie hat extra kein Bikini angezogen, sondern sitzt in Hose und T-Shirt da. Eine Gruppe Einheimischer will (natürlich jeder einzeln) zusammen mit ihr fotografiert werden. Sobald Mäse aus dem Wasser zurückkommt, geht das Spiel von vorne los und jeder will jetzt mit uns beiden ein Foto.

 

Als die Jungs verschwunden sind, wagt Karin sich endlich auch ins Bikini und ins Meer. Aber es macht keinen richtigen Spass. Etwas steif steht sie da und lässt sich die Wellen um die Knie spielen. Sie fühlt sich von unzähligen Augenpaaren beobachtet, die zu Inder in Unterhosen gehören.

überall sind diese Streifenhörnchen anzutreffen
überall sind diese Streifenhörnchen anzutreffen

Währenddem lässt sich Mäse wohl oder übel mit jedem „Fritzli“ zusammen von seinen Kollegen ablichten. Irgendwann findet dieses Fotoshooting aber ein abruptes Ende. Er hört den Liveguard auf seiner Pfeife herumtrillern, gleichzeitig schiesst der Jeep der „Touristpolice“ an ihm vorbei an den Strand und ein Einheimischer stürmt zu ihm und sagt, dass es besser sei, wenn er zusammen mit Karin im Meer baden würde, damit sie nicht von den Einheimischen belästigt werde. Wir haben uns zwar nicht bedroht gefühlt. Es ist einfach mühsam, wenn dich jeder anglotzt und mit dir ein Foto machen will. Man stelle sich mal vor, in der Schweiz würde man jeden dunkelhäutigen Menschen anhalten, um mit ihm ein Foto zu machen…

 

Wir haben aber schlussendlich ein sicheres Strandbeizli ohne Papparazzi gefunden, wo wir das Meer halt vorerst noch von aussen geniessen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Gaby (Sonntag, 02 Oktober 2011 14:07)

    Hali, Hallo ihr Zwei "Badenixen", ha scho richtig uf eui neue Abentür planget. Hi,Hi, so jetzt sind ihr au no "Fotomodell" worde, es wird ja immer besser. Tja, schlafendi "Mönschli" uf dä Strass und überall, chamer au bi mir in Cape Town a luege !!!! Hoffentlich gnüssed ihr s' indische Ässe, ich liebä das ja und zwar würkli scharf !!!! Ich hoffe ihr chönd au ganz viel indische Kultur bewundere. Machet's guet und passed uf eu uf. Es ganz liebs Grüessli Gaby

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