Nervenprobe in Dubai

Seit Mitte Juli sind wir uns am überlegen, ob wir unsere Route durch Pakistan komplett streichen oder ob wir es wagen sollen und durch das Land fahren. Es gab Gründe dafür und es gab Gründe dagegen. Lange Story kurz gehalten haben wir uns entschieden, nicht durch Pakistan nach Indien zu fahren. Da wir keine Informationen über Schiffsverbindungen von Iran nach Indien finden konnten, fuhren wir auf gut Glück nach Bandar Abbas, einer der wichtigsten Hafenstädte Irans. Dort stellten wir schnell fest, dass es keine Fähre von Iran nach Indien gibt. Deshalb waren wir gezwungen, einen Umweg über Dubai zu machen. Man versicherte uns, dass wir von Dubai aus sicher nach Indien verschiffen könnten und so konnten wir nach einer Odysse durch unzählige Büros (einige besuchten wir mindestens drei Mal) noch am selben Abend die Nachtfähre von Bandar Abbas nach Sharjha (Nachbarstadt von Dubai) nehmen.

in einem riesigen Einkaufszentrum
in einem riesigen Einkaufszentrum

Natürlich hatte am nächsten Morgen das Zollbüro in Sharjha für die Einreiseformalitäten für den Chevy bereits geschlossen, bis wir unser Gratisvisum im Pass hatten. Da wir damit gerechnet haben, den Chevy von der Fähre zu nehmen und sofort durch den Zoll zu fahren, hatten wir keine frischen Kleider und Toilettensachen ausser der Zahnbürste im Gepäck. Durch die überstürzte Abreise aus dem Iran hatten wir nicht mal Dirham in der Tasche. So standen wir also am Hafen, Karin in der iranischen Verkleidung mit weiter Hose und Oberteil, weit und breit kein ATM in Sicht und das Zentrum 7km entfernt.

 

Zum Glück ist ein anderer Passagier von der Fähre von seinem Bruder abgeholt worden. Er hat uns ins Zentrum mitgenommen und Karin hatte einen einwandfreien Vorwand, um sich neue Kleider zu kaufen und ihr iranisches Outfit in etwas Alltäglicheres umzutauschen.

Dubai Creek
Dubai Creek

Shopping erwies sich nach drei Wochen im abgeschotteten Iran als wahrer Hochgenuss. Es gibt riesige Einkaufszentren, wo man alles Erdenkliche findet und das Beste ist: Man kann mit der Kreditkarte bezahlen, was im Iran nirgends möglich ist. Es gibt überall bekannte Marken wie Starbucks, MC Donalds, Carrrefour, Taxis mit Taxameter, alles in allem ein einfaches Leben gegenüber den letzten drei Wochen. Besonders zu erwähnen ist natürlich, dass für Frauen hier kein Kopftuchzwang herrscht. Wahrlich eine Erlösung für Karin bei diesen Temperaturen. Die erreichten tagsüber locker 45 Grad im Schatten, was gepaart mit einer Luftfeuchtigkeit von rund 90% ein ziemlich klebriges Klima ergibt.

 

Am nächsten Tag sind wir auf gut Glück zum Hafen zurückgekehrt, um den Chevy aus den Klauen des Zolls zu befreien. Es waren eine Reihe von Feiertagen zum Abschluss des Ramadan im Gange. Es macht ja Sinn, nach einem Monat mit reduzierten Ämteröffnungszeiten wegen Ramadan dann noch ein paar Tage reduziert zu arbeiten, da man den Abschluss des Ramadan feiert. Schliesslich muss man(n) sich ja wieder an das normale Leben gewöhnen….

Skyline von Dubai
Skyline von Dubai

Wir hatten Glück und hatten den Chevy innerhalb eines halben Tages aus dem Bürokratendschungel befreit. Doch wir realisierten rasch, dass wir hier nicht im Auto schlafen können, da es selbst in der Nacht deutlich über 30 Grad heiss ist. Zudem sagte man uns, dass es in Dubai verboten sei im Auto zu schlafen, besonders nicht als Mann und Frau (man könnte ja was weiss ich für schlimme Sachen machen). Dass diese schlimmen Sachen in einem Hotelzimmer auch möglich sind, ist wohl noch niemandem eingefallen.

 

Wir verbrachten mehr als eine Woche in Dubai und versuchten, eine Weiterfahrt nach Indien zu organisieren. In Dubai dominiert der Gigantismus in jeder Hinsicht. Das welthöchste Gebäude steht hier mit seinen rund 928 Metern Höhe sowie das teuerste Hotel und das weltgrösste Einkaufszentrum. Alles in dieser Stadt ist neu, von den Metrozügen über die Busse zu den Autos und Hochhäusern. Uns kam es vor, als seien wir in Disneyland gelandet, alles glitzerte und blinkte und es gab Foodcourts à la USA im Überfluss. Doch es gab auch eine andere Seite. Diese amen wir in aller Deutlichkeit zu spüren bei dem Versuch, eine Weiterfahrt per Schiff nach Indien zu organisieren.

 

Wir haben zum Beispiel einen ganzen Tag damit zugebracht, eine Bestätigung zu organisieren, dass wir keine offenen Bussen haben um den Chevy durch den Zoll zu bringen. So eine Bestätigung scheint eine Mordssache zu sein. Vor allem, wenn man ein ausländisches Kontrollschild hat. Offensichtlich ist das etwas, was nicht nach Prozess A abgewickelt werden kann. Der halbe Tag war vorbei, bis wir endlich jemanden gefunden haben, der kompetent genug ist, um überhaupt zu begreifen, was wir brauchen und nicht versucht, den Chevy in Dubai einzulösen. Zudem ist die Sache ziemlich nervig, da wir gar nie vor hatten mit dem Auto in Dubai herumzukurven sondern lediglich ein Schiff nach Mumbai zu finden.

 

Als wir dann von unserem Schifffahrtsvermittler endlich die Nachricht erhalten haben, dass wir am nächsten Tag den Chevy in den Hafen bringen könnten, waren wir sehr skeptisch. Es war bereits nach Mittag und wir hatten noch immer keine Ahnung, wohin in diesem riesen Hafen wir den Chevy bringen sollten. Da entschlossen wir uns für eine Notlüge und erzählten, dass wir am selben Abend nach Indien fliegen werden. Diese Lüge wirkte Wunder. Innerhalb von einer Stunde waren wir sowie unser Agent am Hafen, wir haben den Schlüssel abgegeben und machten uns auf direktem Weg auf zum Flughafen, um unsere Notlüge in die Realität umzusetzen und ein Flugbillet nach Indien zu kaufen.

Dubai bei Nacht
Dubai bei Nacht

Alles in allem war Dubai für uns eine sehr nervenaufreibende Sache und natürlich auch teuer, da wir in dieser Kopie von Amerika (einfach noch etwas grösser, höher, glitzernder und übertriebener) immer im Hotel schlafen mussten. Als Fazit sagen wir: Es war eindrücklich diese Stadt gesehen zu haben aber das eine Mal reicht vollends aus.

Was den Iran betrifft, so hat es sich sicher gelohnt dieses Land zu besuchen. Abgesehen von den Kleidervorschriften für Karin und der Unmöglichkeit als Paar gemeinsam irgendwo zu baden, hat es uns im Iran gut gefallen.
An kulturellen Sehenswürdigkeiten hat die Islamische Republik viel zu bieten und auch die Gastfreundschaft und Offenheit der Bevölkerung uns gegenüber war äusserst eindrücklich. Weiter war es eine gute Erfahrung zu sehen wie stark ein Land von westlichen Einflüssen abgeschottet sein kann und welche Auswirkungen ein Wirtschaftsembargo auf ein Land haben kann. Aufgrund unseres eigenen Eindrucks und den Angaben von Einheimischen und anderen Reisenden schliessen wir aber, dass die Bevölkerung dort wesentlich stärker unter Druck der Regierung steht als wir das auf unserer Reise mitbekommen haben. So kann zum Beispiel eine Person, die während des Ramadan tagsüber etwas auf offener Strasse trinkt mit Peitschenhieben bestraft werden.

Trotzdem hat sich unsere Meinung über den Iran grundlegend geändert. Es ist für uns kein unbekanntes gefährliches Land mehr, das bei uns mit vielen Vorurteilen behaftet ist, sondern im Gegenteil ein Land voll von Geheimnissen, die entdeckt werden wollen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Gaby (Donnerstag, 15 September 2011 11:09)

    Hallo ihr Liebä, schön wieder öppis vo eu z'läse. Ich känne nume dä Flughafe vo Dubai und dä Hitzschlag wo mer über chunt, wämer us em Flüger stiegt. Aber wie ihr richtig säged, scho das langet zum gseh, nur Glitzer, Glimmer und Luxus, wer brucht das ??????? Ich cha mir vorstelle, dass Indie sehr es interessants Land isch und vor allem s'ässe isch sicher super !!!! Gnüssed eui witer Reis und bis zum nächschte mal. Alles Liebi und es Grüessli us em rägnerische Cape Town Gaby

  • #2

    Judith (Freitag, 30 September 2011 20:48)

    Hoi zäme
    Händer euie Reisebegleiter mittlerwiil chönne in Empfang neh? Freu mich scho, wieder vo eui z läse! Liebi Grüessli, mir dänked viel a eui. Kisses, Judith

  • #3

    Omi (Sonntag, 02 Oktober 2011 15:17)

    Hallo ihr Weltenbummler,
    Zum xten mal lese ich eure Reiseberichte und frage mich jedes Mal, ob ihr wohl alles verarbeiten könnt, was auf euch zu kommt? Ich reise mit euch und stelle mir alles vor wie in "tausend und eine Nacht." Es reicht bestimmt für das ganze Leben, die Erinnerungen immer wieder aufzufrischen.-Die Fotos von Karin in weisser und lila "Montur" samt Turban finde ich einfach umwerfend!Überhaupt all die Bilder-zum Träumen!!! (Grossmutter wird romantisch).
    Wenn auch mit Verspätung wünsche ich Marcel alles Gute zum Geburtstag und weiterhin viel Glück während eurer Reise.
    Ich geniesse,so gut es geht,unseren wunderschönen Herbst und nehme jeden Tag wie er kommt.
    Für heute tschüss ihr beiden und "es Müntschi" in grosser Entfernung!
    Omi

7. September 2012

Gleich zwei neue Blogbeiträge über unsere letzten Abenteuer und unsere Heimkehr sind online sowie die Fotos dazu.

 

4. September 2012

Übernachtungsplätze ab Kasachstan bis nach Deutschland sind online. 

 

4. September 2012

Unsere visuelle Route ist vollendet und zeigt die letzten Stationen auf unserer 14-monatigen Reise.