Abschied von der Türkei

Mittlerweilen sind wir an der Grenze Türkei-Iran angekommen und haben den ersten Blick auf den Ararat mit seinen 5137 Metern Höhe erhascht.

Aber nun ganz der Reihe nach: Nach unserem letzten Blogeintrag in Pamukkale bei den Kalkterrassen haben wir eine längere Etappe vor uns. Unser Ziel ist der Ort Göreme in der Region Kappadokien, wo es eine beeindruckende Landschaft aus Tuffstein gibt. Da die Distanz für eine Tagesfahrt doch etwas zu weit ist, legen wir einen Zwischenhalt in einem Nationalpark ein, wo es eine schöne Schlucht mit Wasserfällen und Badepools geben soll. Auf der Karte ist der Ort rasch gefunden, nur in Wirklichkeit ist dort wo eine Abzweigung sein sollte keine auffindbar ????? Da es an diesem Tag extrem heiss ist, bleiben wir beinahe auf der Strasse kleben, da der Asphalt von den schweren Lastwagen auf der gebirgigen Strecke richtig aufgewühlt ist. Richtig interessant wird es aber erst, nachdem wir dann doch noch eine Abzweigung Richtung Park gefunden haben. Die Überraschung kommt wieder in Form von Teer, diesmal aber ist der schwarze Kleister zwar schon auf das neue Trasse aufgespritzt worden, der Deck-Kies fehlt aber auf einer Strecke von mehreren Kilometern noch. Obwohl ich nur etwa 20km/h fahre, werden von den Rädern kleine Steinchen aufgeworfen, die überall am Auto kleben bleiben und zu meiner Begeisterung auch auf der Frontscheibe.

 

Nachdem wir dann die erwähnte Schlucht doch noch erreichen, stellen wir bald fest, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Der Bach hat sich über die Jahrtausende tief in die Berge eingefressen und eine Landschaft geformt, die uns etwas an das Verzascatal im Tessin erinnert. So beschliessen wir einen Pausentag einzulegen und spannen den ganzen nächsten Tag am Fluss aus, bevor wir den Rest der Strecke nach Göreme fahren.

 

Kappadokien ist wieder sehr touristisch. Das Freilichtmuseum ist UNESCO-Weltkulturerbe. Es gibt mehrere Kirchen, die in den weichen Tuffstein gemeisselt wurden als sich die frühen Christen vor ihren Widersachern verstecken mussten.


Da die erwähnten Kirchen sehr klein sind, pressen sich jeweils ganze Reisegruppen hinein um etwas von den Erklärungen ihres Führers zu verstehen. Wir sind dann jeweils irgendwo dazwischen und hören unser Audio-Guide-Tonbändli ab bis wir nach einigen Minuten aufgrund von Sauerstoffmangel den Ausgang suchen.

Bevor wir Kappadokien endgültig verlassen, besuchen wir die unterirdische Stadt Derinkuyu, in der im 16. Jahrhundert bis zu 10’000 Menschen über Monate gelebt haben, als sie als Christen wieder einmal verfolgt wurden. Tatsächlich deutet an der Oberfläche nichts darauf hin, dass unter der Erde alles wie ein Emmentaler ausgehöhlt ist. Nur ein Brunnen ist zu sehen, der aber keiner ist, sondern ein Frischluftschacht, der die sieben unterirdischen Etagen mit Luft versorgt.

Unser nächster Programmpunkt heisst „Nemrut Daği“ und ist ein 2150 Meter hoher Berggipfel, auf dem sich Steinstatuen befinden. Die Statuen sind zwar noch gut erhalten, haben aber bei zahlreichen Erdbeben ihre Köpfe verloren, die jetzt davor am Boden stehen und in die Weite schauen. Besonders eindrucksvoll sind die Steinmänner bei Sonnenauf- oder untergang. Die Nacht verbringen wir knapp unterhalb der Terrasse im Chevy und sind dank unserem Navi, das immer genau weiss, wann die Sonne auf- und untergeht am Morgen nach fünfminütigem Fussmarsch pünktlich zur Stelle für das Spektakel. Ganz im Gegenteil zu den Tagestouristen, die im Sammeltaxi von den ziemlich weit entfernten Städten auf einer dreistündigen Fahrt herangekarrt werden und schon zwei Stunden vor Sonnenaufgang um den Chevy schleichen.

 

Nach Bewunderung der von der aufgehenden Sonne beleuchteten Steinfiguren machen wir uns auf den Weg Richtung Van-See ganz im Osten der Türkei. Dazu müssen wir aber einiges an Höhe vernichten (1000 Höhenmeter auf 10 Kilometer) und per Fähre einen der riesigen Stauseen überqueren, die vor rund 15 Jahren in Südostanatolien angelegt wurden. Die Seen dienen der Bewässerung weiter, sonst unfruchtbarer Landstriche und zur Stromerzeugung.

Nachdem wir den Vansee erreicht haben (er ist sieben Mal so gross wie der Bodensee) machen wir uns schnurstracks wieder auf in die Berge. Diesmal ist unser Ziel ein erloschener Vulkan in dessen Krater sich nun mehrere Seen befinden. Die Dimensionen sind beeindruckend, hat doch der immer noch sehr gut als Vulkan erkennbare Krater einen Durchmesser von rund fünf Kilometern. Am Kratersee finden wir einen wunderbaren Übernachtungsplatz und verbringen den nächsten Tag dort um uns auf den Iran vorzubereiten und die ersten Tage etwas genauer zu planen.

Wir beschliessen per Schiff auf die andere Seite des Van-Sees zu gelangen um einige Kilometer durch das Gebirge zu sparen. Ob die Fähre aber private PWs mitnimmt, ist uns nicht ganz klar. Wir haben gelesen, dass es täglich zwei Fähren gibt, jedoch keinen festen Fahrplan. So fahren wir zum Hafen und halten Ausschau nach einer Fähre. Die einzigen Fähren, die wir entdecken sind für Eisenbahnwaggons, die gerade von einer Diesellock vom Schiff gezogen werden. Nach unsicherem Herumkurven im Hafengeländen und Ausschauhalten nach einer Autofähre winkt man uns zur erwähnten Eisenbahnfähre. Vom Kapitän erfahre ich, dass es möglich ist mit dem Auto von hier nach Van zu fahren. Nachdem neun Eisenbahnwagen im Schiff verstaut worden sind, dürfen wir mit dem Chevy über die Gleise in die Fähre fahren.

 

Zur Zeit befinden wir uns in der Grenzstatt Doğubayazıt am Fusse des Ararat und sind gespannt, was uns im Iran erwarten wird.

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Kommentare: 4
  • #1

    Gaby (Montag, 08 August 2011 11:45)

    Hallöchen Karin und Mäse
    Faszinierend was ihr alles so gsehnd und erläbed, ihr händ grad min Mäntig grettet. Wie immer isch dä Mäntig wösch, glett und Hushalttag. Hüt ischer aber speziell, dänn ich ha vier Schwarzi im Hus, wo grad neui Fänster ine mached. Es duftet mega mässig, vo ihrem "After....." Bin froh, wänn alles ändli veri isch. Also, ich tue jetzt guet lüfte und witer glette.

    Es liebs Grüessli und gueti Fahrt. Bis zum nächschte Mal
    Gaby

  • #2

    Patricia und Thomas (Montag, 08 August 2011 17:17)

    Hej, cooli Sache händ oi da erwartet! S nächst Mal wänd näbed ere Diesellok stasch, tünklisch es Lümpli in Dieseltank - mit däm gaht de Teer ewäg wie mit Ajax Streifenrei (dä mit em Diesel isch en alte Weltreisetrick, will flüssige Teer chömed er immer wider ad Karosserie über... Dä mit de Dieselloki wär oies Special :-])
    Alles gueti wiiterhin im Iran!

  • #3

    Susanne (Montag, 15 August 2011 03:38)

    Wow, iidrücklichi und schöni Bilder. dä Chevy isch ja cheibe chliii uf däre Fähre, gseht also lustig us. Ich hoffe eui erwartet im Iran wiiterhin so viel Spannends und Schöns. Freu mi scho uf dä nächst Bricht, sie sind super!!!

  • #4

    Susanne (Montag, 15 August 2011)

    ja lääck Jimmy, jetzt hani gad gseh wie bruuun du bisch, das isch ja dä Wahnsinn;-) häsch mal na es Foti mit Kopftuech? Nimmt mi ja scho wunder. Häsch das jetzt im Griff, dass es nid devo windet? Isch ja lustig. Es duet immer wieder sehr guet eifach nur scho Fotene vo eui zgseh. Ich dänke sehr sehr viel a eui!!!!!

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