Abenteuer in der Türkei

Vor dem Grenzübertritt in die Türkei waren wir ein wenig nervös. Schliesslich müssen wir hier das erste Mal die Pässe zeigen und das Fahrzeug soll in den Pass des Fahrers eingetragen werden. Die Grenze ist unübersehbar. Die Türkei hat offensichtlich wieder viel mehr Geld als die beiden vorherigen Länder Rumänien und Bulgarien.

Der Grenzübertritt ist problemlos und gleicht einem Postenlauf. Da der Zöllner auf der rechten Seite sitzt, steige ich der Einfachheit halber aus und übernehme das Reden. Wer Marcel Stöckli sei, will er wissen. My husband! Noch immer ist es ungewohnt, meinen ehemaligen Freund nun meinen Ehemann zu nennen. Aber das weiss der Zöllner ja nicht. Wohin wir wollen, die nächste Frage. Wie in Österreich erzähle ich ihm nicht unsere ganzen Pläne, sondern beschränke mich auf Istanbul. Somit ist das Interview beendet und wir können zum nächsten Posten weiterfahren. Hier erhalten wir einen Stempel in den Pass und zusätzlich wird der Chevy in Mäses Pass eingetragen. Der Zöllner murmelt noch etwas von Bagage Control. Oh nein, wenn sie den ganzen Chevy auseinander nehmen möchten und unsere Guggelfuhr untersuchen, könnte das länger dauern. Also beschliessen wir, dass wir das nicht verstanden haben und fahren langsam Richtung Ausgang ohne aufgehalten zu werden. Kaum auf der Autobahn, geben wir Gas mit dem Fernziel Istanbul. Hier sind die Strassen wie bei uns und wir erreichen das 250km entfernte Istanbul in 3 Stunden.

Blaue Moschee
Blaue Moschee

In und um Istanbul gibt es keine Campingplätze mehr. Wir haben aber im Vorfeld von verschiedenen Seiten von einem öffentlichen bewachten Parkplatz gehört, wo das Übernachten toleriert wird. Da wollen wir hin. Der Parkplatz ist schnell gefunden und tatsächlich ist alles voll mit Wohnmobils. Er erweist sich als super Ausgangspunkt für unsere Istanbulentdeckungsreise. Innerhalb von fünf Minuten sind wir im Sultanahmet und bei den Hauptsehenswürdigkeiten Blaue Moschee, Hagia Sophia und Topkapi Palast. Neben diesen Sehenswürdigkeiten finden wir aber auch versteckte Winkel, wo wir die einzigen Touristen sind und ich ohne Kopftuch auffalle. Es gibt Momente, da fühle ich mich mit den kurzen Hosen unter allen anderen Frauen mit langen Mänteln und bedeckten Haaren nicht wohl. Umso mehr ergreife ich die Gelegenheit beim Schopf und vervollständige auf einem einheimischen Bazar mein Iran-Outfit mit weiten Hosen, langer Tunika und dazupassendem Kopftuch. Wenn ich mich schon nach Vorschrift kleiden muss, dann soll das wenigstens ein wenig Stil haben.

Auf dem Gipfel des Uludağ
Auf dem Gipfel des Uludağ

Nach drei Tagen Istanbul flüchten wir vor der Menschenmasse und fahren in den Nationalpark Uludağ. Anders als die Nationalparks, die ich bis jetzt gesehen habe, ist dieser aber von Strassen durchzogen und überall liegt Müll herum. Der Park ist ein beliebter Picknickplatz für die Türken, die ihre ganzen Sommerferien hier verbringen, Zelte aufstellen und manchmal sogar Blumen- und Kräutergärten einrichten.

Wir wollen am nächsten Tag eine Wanderung auf den Gipfel des Uludağ unternehmen. Da wir nirgends einen Wegweiser finden, fragen wir bei den Leuten nach. Wir könnten da hinauffahren, es gebe eine Strasse, ist die immer gleiche Antwort. Auf unsere Entgegnung, dass wir gar nicht fahren sondern wandern wollen, ernten wir nur verständnisloses Kopfschütteln und im besten Fall ein anerkennendes Nicken. Aber mit dem Wanderweg kann uns niemand weiterhelfen.

Also beschliessen wir, die Strasse soweit wie möglich hochzufahren. Wir landen in einem Skiort! Zweiersessellifte zuckeln langsam den Berg hinauf und wir werden von einem Mann angehalten, der uns Fotos von einem Bergrestaurant zeigt, wo wir unbedingt etwas trinken sollen. You have view like an eagle, fantastic!! Ok, der war wahrscheinlich noch nie auf dem Jungfraujoch. Nach einem prüfenden Blick auf den Chevy erteilt er uns das Ok, hinaufzufahren. Also machen wir uns auf den Weg. Oben erwartet uns ein Restaurant, das uns einen völlig überteuerten Tee verkauft. Dafür lernen wir einen Mann kennen. Ich denke noch, der sieht aus wie ein typischer Skilehrer. Als wir uns mit ihm unterhalten stellt sich heraus, dass er in Österreich tatsächlich Skilehrer war und in der türkischen Skinationalmannschaft gefahren ist. Mir ist nach wie vor nicht bewusst, jemals einen Türken den Hang hinunter wedeln gesehen zu haben…

Auch hier fragen wir nach dem Wanderweg auf den Gipfel. Ein Stöhnen, das sei aber ein langer weiter Weg. Wir haben ja Zeit und machen uns jetzt trotz aller Warnungen auf den Weg. Es gibt einen Trampelpfad, dem wir folgen und tatsächlich erreichen wir nach knapp 1 ½ h den Gipfel. Wir können es kaum glauben und denken nach all den Warnungen, dass wir vielleicht auf dem falschen Berg sind. Aber beim Umschauen stellt sich „unser“ Gipfel als der höchste heraus. Fazit: Die Türken sind eher ein Picknick- und Autofahrervolk als ein Wandervolk.

 

der erste platte Reifen
der erste platte Reifen

Nach dem Nationalpark ist wieder Kultur angesagt. Auf der Weiterfahrt nach Bergama pfeift es auf einmal mitten auf der Autobahn aus dem hinteren linken Reifen. Das Ventil ist geplatzt und wir haben einen Platten. Während Mäse den Reifen wechselt, wandle ich den Chevy in eine Waschküche um. Wir haben das erste Mal unsere Waschmaschine ausprobiert und ich hänge das Ergebnis nun quer durch den Chevy auf. Die Waschmaschine ist ein Kunststofffass, das mit heissem Wasser gefüllt wird, dreckige Wäsche und Waschpulver rein und dann fest verschlossen und angebunden wird. Während dem Fahren wird die Wäsche hin- und hergeschüttelt wie in einer Waschmaschine und kommt erstaunlich sauber wieder raus.

 

Der Platten ist schnell beseitigt und bei der Weiterfahrt finden wir eine Garage, die das Ventil repariert und auch das Reserverad grad wieder durch das richtige ersetzt. Währenddem der Lehrling die ganze Arbeit verrichtet, wird Mäse und mir ein Tee serviert.

 

 

Rettung vor dem Hitzschlag
Rettung vor dem Hitzschlag

Am nächsten Tag besuchen wir die Akropolis von Pergamon. Einige Säulen sind wieder aufgestellt worden, was beeindruckend aussieht. Auf diese Art kann ich mir viel besser vorstellen, wie es hier mal ausgesehen haben muss, als wenn Bruchstücke von Säulen irgendwo am Boden verstreut herumliegen. Wir schauen uns alles genau an und fahren anschliessend mit dem Asklepieion fort, einem ehemaligen Krankenhaus. Das Highlight hier ist ein heiliger Brunnen. Wir sind nachher pflotschnass und für einige Minuten ist es nicht mehr so heiss. Hoffentlich haben wir den Brunnen nicht entweiht. Uns hat er aber definitiv vor einem Hitzeschlag geheilt.

Bibliothek in Ephesos
Bibliothek in Ephesos

Am nächsten Tag ist Ephesos auf dem Programm. Wir treffen erst am späteren Nachmittag ein, was sich als Glücksfall herausstellt. Die Reisebusse fahren vollbepackt schon wieder ab und es gibt nur noch wenige Personen zwischen den Ruinen. Die Bibliothek ist rekonstruiert worden und steht nun eindrucksvoll vor uns. Hier sollen mal 12'000 Schriftrollen aufbewahrt worden sein. Da wäre selbst ich eine Weile beschäftigt, bis ich die alle gelesen hätte…

Von der Bibliothek weg geht die Kuretenstrasse, die Zugang zu einem ToiToi WC auf römische Art gibt. Auf längen Bänken mit Löchern haben sich die Römer vielleicht zu einem gemütlichen Plausch getroffen und sich dabei erleichtert.

Ebenfalls beeindruckend ist der Hadrianstempel. Wir staunen immer wieder, dass die Reliefs im Marmor nach 2000 Jahren immer noch so schön sind und fragen uns, wie diese Bauwerke ohne Kranen erstellt worden sind.

 

Wir werden sicher noch einige Zeit in der Türkei verbringen und dieses Land weiter entdecken.

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Kommentare: 5
  • #1

    Gaby (Donnerstag, 28 Juli 2011 09:37)

    Guete morge ihr zwei, schön e mal wieder vo eune Abentür z'läse. Stöhned ja nöd über d'wärmi, dänn diheime haltet's kei Summer ab. Das mit eure Wöschmaschine gfallt mer, muess mer grad überlege ob ich au so eini muess ha, bi eus wird dä Strom immer dürer !!!! Also, no schöni Zit i dä Türkei und bis zum nächste Mal. Es liebs Grüessli us em hüt chalte und rägnerische Cape Town Gaby

  • #2

    Anjes (Donnerstag, 28 Juli 2011 17:00)

    Hallo liebe Weltenbummler,
    ich lese mit Vergnügen die Reiseberichte. Bei uns ist Sommerpause, eher schon herbstlich. Das Attentat in Oslo ist in den Medien ein Haupthema. Wieder mal ein Zitat über das Reisen und viel Entspannung zwischendurch wünsche ich euch.
    "wo kämen wir hin, wenn jeder sagen würde:wo kämen wir hin. Und niemand ginge, um zu schauen wohin wir kämen wenn wir gingen" unbekannter Verfasser und s Mami Anjes

  • #3

    Mam und Pap (Donnerstag, 28 Juli 2011 23:04)

    Liebe Karin und Mäse
    Wir haben euren interessanten Türkeibericht genossen im Abendrot von Funchal. Der moderne Mensch reist bekanntlich mit Laptop und so entgeht uns auch in den Ferien nichts. Wir haben eine Woche Rundreise auf Madeira hinter uns und dabei viel Eindrückliches gesehen. Die zweite Woche verbringen wir nun in einem sehr schönen Hotel in Funchal am Meer, lassen uns verwöhnen und relaxen.
    Liebe Grüsse und Kuss
    Mam & Pap

  • #4

    Omi (Dienstag, 02 August 2011 14:15)

    Hoi zämme,
    ich bin ganz begeistert von euren Abendteuerberichten, die wieder einen Funken Abwechslung in meine Bude bringen! Ich hoffe jeden Tag, das es ein guter war, ihr pannenfrei die nächste Etappe erreicht habt und wieder um ein schönes Erlebnis reicher seid.
    Ich freue mich auf die nächsten Zeilen und wünsche euch dass sämtliche Gefahren einen grossen Kreis um euch ziehen!
    Händs guet mitenand und liebi Grüess
    Omi

  • #5

    Susanne (Montag, 15 August 2011 03:32)

    Heeee ihr zwei Wältebummler
    Mit grossem Intresse hani gad dä Bricht gläse. Eifach super!!!! Das mit dä Wöschmaschine isch ja dä Hammer. Ihr wüssed eui eifach immer z'hälfe, ich finde das genial. Mached wiiter so, jetzt gang ich zum nächste Bricht;-)
    drucke eui gaaaanz gaaaanz fest!!!

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