Eindrücke aus Rumänien

Nach einigen schönen Tagen in Ungarn sind wir am 29. Juni über die Grenze nach Rumänien gefahren. Da dieses Land seit 2007 in der EU ist, gestaltete sich dieser Grenzübertritt eigentlich problemlos. Lediglich unsere beiden brandneuen ID- Karten wurden ausführlich beäugt. Nachdem wir dann auch noch eine sogenannte „Rovignietta“ gekauft hatten, welche als Verkehrsabgabe für die Benützung aller Strassen zu verstehen ist, ging es weiter in Richtung der Bärenhöhle, unserem ersten Ziel. In dieser Höhle wurden sehr gut erhaltene Skelette des Höhlenbären gefunden und es ist der einzige Ort in Europa, wo solche Funde zu besichtigen sind.

Anfänglich hielten wir uns an die Hauptstrasse, die auf unserer Karte im Massstab 1:6000000 angegeben ist und legten die ersten Kilometer hinter einem Tanklastwagen zurück. Dies nicht etwa, da wir nicht schneller hätten fahren wollen, sondern viel mehr, da wir so eine „Ausrede“ hatten warum wir nicht schneller als 50km/h fahren. Da die Strasse sehr viele Schlaglöcher in jeder Grösse aufwies und durch den  Lastwagenverkehr auch ausgewalzt ist wie ein Pizzateig entschied ich mich, nicht schneller zu fahren um die Hindernisse frühzeitig zu erkennen und ausweichen oder abbremsen zu können. Die einheimischen Schlaglochkenner allerdings haben da eine andere Taktik. Sie fahren so schnell, dass sie förmlich über die Wellentäler und Löcher fliegen und dieses Verfahren wird auch innerorts angewendet wo das Signal 50km/h höchstens als Empfehlung verstanden wird.

Überholen ist grundsätzlich immer möglich, egal ob vor einer Kurve, Kuppe oder trotz Überholverbot. Die Gefahr als Fussgänger beim Überqueren einer Strasse in einem Dorf besteht nicht darin von einem heranbrausenden LKW erfasst zu werden, vor welchem man noch rasch die Strasse überqueren möchte. Die Gefahr lauert nämlich neben dem Lastwagen wo bestimmt einer mit über 90km/h auf Höhe eines Fussgängerstreifens überholt.

 

Doch nun zurück zu unserem Bärenhöhlenausflug. Beschildert ist die Attraktion schon frühzeitig. Da in unserem Reiseführer aber die Benützung einer Nebenstrasse beschrieben ist biegen wir nicht ab und fahren weiter ins nächste Dorf, wo wir abzweigen müssen. Da aber ausser den Hauptstrassen nichts signalisiert ist, biegen wir auf gut Glück nach unserem Gefühl ab, wo wir unsere auf der Karte eingezeichnete Nebenstrasse vermuten. Da wir ja eine Strassenkarte mit relativ grossem Massstab in den Händen halten und diese Strasse darauf verzeichnet ist, kann diese nicht so schlecht sein. Aber Achtung der verwöhnte Mitteleuropäer hat sich da gründlich geschnitten. Um die Ernüchterung etwas abzudämpfen, ist aber der erste Abschnitt bis in das nächste Dörfchen sehr gut asphaltiert. Dort angekommen, ist die Strasse zwar noch breit aber nur in der Mitte wurde ein ca. 2 Meter breiter Streifen befestigt. Wir wundern uns schon etwas, da uns die Bewohner ausführlich mustern, insbesondere da wir das Gefühl haben durch ein Freilichtmuseum zu fahren. Am Strassenrand sehen wir landwirtschaftliche Geräte wie Dreschmaschinen und Pferdefuhrwerke mit Leiterwagen aus Holz ect. Irgendwann wir die Piste zu einem Feldweg mit unzähligen Schlaglöchern und wir kommen noch mit ca. 10km/h vorwärts. Da wir keine Ahnung haben, ob wir auf dem richtigen Weg sind, fahren wir gut Glück weiter um nach ca. einer halben Stunde Fahrt festzustellen, dass es sich um eine Sackgasse handelt. Aber egal, auf diesem Ausflug haben wir einen guten Eindruck davon erhalten, wie die Bevölkerung auf dem Land lebt. Die Erkenntnis ist, dass die Leute sehr arm und wahrscheinlich grösstenteils Selbstversorger sind. An dieser Stelle ist auch noch zu erwähnen, dass die Unterschiede in diesem Land sehr gross sein müssen. Einerseits sieht man noch oft sehr alte Autos auf der Strasse, die noch aus der Zeit des Kalten Krieges zu stammen scheinen, andererseits sind Audi Q6, die neusten Jeep Cherokees und teure Audis ebenfalls vertreten.

 

Auf dem Rückweg aus unserer Sackgasse zurück zur so benannten Hauptstrasse begegnen wir einem Mann mit einer Mütze mit dem deutschen Wappen darauf. In der Hoffnung, dass wir uns mit ihm verständigen können, halten wir an und fragen ihn nach dem Weg. Er fragt uns ob er mitfahren könne und wir sagen zu, merken erst dann, dass es sich offenbar um den Pöstler handelt, der den weiten Weg zu Fuss in die abgelegene Ortschaft unternommen hatte. Da seine Mütze trügt und es weder ein Deutscher ist, noch deutsch versteht, können wir mit ihm kaum sprechen. Als Dank für die Mitfahrgelegenheit zeichnet er uns eine Landkarte mit der Route, welche uns zur Bärenhöhle bringen wird.   

Nach Besichtigung der Höhle machen wir uns auf zu einem auf der Karte eingezeichneten Campingplatz. Beim Nachfragen nach langer Fahrt auf unbefestigter Strasse will niemand etwas von einem Camping wissen und so finden wir unseren Nachtplatz an einem Flüsschen.

Da wir bis hier hin lange auf einer sehr schlechten Strasse gefahren sind und nicht alles zurück auf die Hauptachse wollen, entscheiden wir uns am nächsten Tag weiter zu fahren bis wir weiter oben eine andere Hauptstrasse erreichen. Diese Entscheidung stellte sich als 50 Kilometer langer Offroad-Trip heraus. Der anfängliche Slalom um Bagger, Betonmischer, Krane und Bauarbeiter mit grossen Augen auf einer Baustellenpiste entpuppt sich als Einstieg. Nach der Passhöhe auf 1400m.ü.M. wird der Pfad einspurig, steil, und ist mit groben Felsstücken anstatt Kies befestigt. Da es in der Nacht geregnet hat, sind die Schlaglöcher mit Wasser gefüllt und es ist jedes Mal eine Überraschung wie tief die Pfütze wohl ist.

Diesmal erreichen wir unseren Zielort aber nach ca. 3-stündiger Fahrt. Wieder nehmen wir ein am Dorfrand utostoppendes „Pilzfraueli“ in der Giraffe mit. Nachdem die Frau in den Chevy geklettert ist, der Boden ist immerhin etwa halb so hoch wie sie gross ist, geht die Fahrt weiter. Da sich die alte Frau nie meldet und sagt, dass sie aussteigen will, fragen wir uns schon, ob sie wohl noch lebt bei diesem Geholper und wie wir der örtlichen Polizei wohl beibringe sollten warum wir eine unbekannte alte tote Frau in unserem Auto haben. Nach ungefähr einer Stunde Fahrt meldet sie sich aber und möchte in einem Ort aussteigen und streckt uns als Dank eine 10 Lei Note hin. Natürlich lehnen wir ab und fragen sie ob wir als stattdessen ein Foto von ihr machen dürfen.  Hhhhhhnnnnnn

 

Wir fragen uns wie sie diese Strecke ohne uns wohl zurückgelegt hätte, denn dort wo wir herkommen sind, fährt bestimmt nicht manches Fahrzeug pro Tag vorbei.

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Kommentare: 5
  • #1

    Gabriela (Sonntag, 03 Juli 2011 12:00)

    ...und: hat sie sich abknipsen lassen, das Pilzfraueli? :)

  • #2

    Gaby (Sonntag, 03 Juli 2011 12:11)

    Hallo Karin und Mäse
    Zerscht, danke für eues Mail, ha mi riesig gfreut drüber.
    Ja, ich gseh scho, ihr händ tatsächlich Abentür und eis kenn ich beschtens, das sind die liebä Naturstrasse. In Namibia isch das au immer ä so. Tja, die eine findet's luschtig und die Andere lidet dänn halt still vor sich hi. D'Hauptsache isch, das ihr immer a eues Ziel chömed und das mit dä Bärehöli isch sicher mega interessant gsi. Witerhin gueti Fahrt und tätschlet eui Giraffe vo mir.
    Es liebs Grüessli us Cape Town
    Gaby

  • #3

    Judith (Sonntag, 03 Juli 2011 14:44)

    Jetzt wirds erst richtig interessant, in den unbekannten Gebieten, wo ihr einen anderen Weg suchen muesst um euch zu verstaendigen. Darf ich dich Karin an "troca troca" erinnern?
    Viel Spass auf der Weiterfahrt: Un lot de distractie in timpul calatoriei! Oder so.
    Kuessli

  • #4

    Päp (Montag, 04 Juli 2011 10:57)

    Echt eindrücklich, wenn ihr von Rumäniens "Autobahnen" schwärmt. Ich empfehle euch noch die Lektüre des Tagesanzeigers vom 4. Juli. Ich hoffe, ihr erhaltet auch in der Online-Ausgabe einen Eindruck zu der Geschichte des entführten Schweizer Paares in Pakistan......
    Liebe Grüsse
    Päp

  • #5

    Karin & Mäse (Mittwoch, 06 Juli 2011 21:21)

    Logo hät sich s Pilzfraueli abknipse lah:-) Sie hät so schliesslich 10 Lei chönne spare (sind immerhin ca. 3 Franke). S Föteli vo ihre isch i de Fotigalerie.
    Liebe Gruess

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